Sektdusche, Medaille, Finisherparty und der ganze Stolz: Das einmalige und exklusive Finisher Shirt. Wir haben es also am Samstag geschafft, die Ziellinie in Latsch nach über 230 Kilometern und fast 15.000 Höhenmeter zu überschreiten. Einen Tag später sind wir noch einmal in den Startort Oberstdorf zurückgekehrt und versuchen, das Erlebte zu verarbeiten. Es ist schon alles wieder so weit weg, die Schmerzen und die matte Erschöpfung erinnern allerdings noch zu gut an unsere Alpenüberquerung zu Fuß. Gestern Morgen um 9:00 Uhr sah die unsere Läuferwelt noch gar nicht so rosig aus. Mit dem Startschuss machen wir uns auf zur letzten Etappe. Gritt ist zu müde, um überhaupt einen Meter zu laufen. Schon nach wenigen Metern haben wir den Anschluss an das Feld verloren. Hinter uns ist nur noch der Schlussläufer und ein Fahrzeug der Organisation. Dann gewinnen wir wieder Anschluss, weil eine geschlossene Bahnschranke ein Teil des Feldes am Weiterlaufen hindert. Von jetzt an geht es im wahrsten Sinne des Wortes langsam bergauf. Gritt findet langsam ihren Rhythmus, die rote Laterne können wir abgeben. Als wir den ersten Steig angehen, kommen wir gut voran und die erste Verpflegungsstelle bei Kilometer 10 erreichen wir nach 1:38h. Jetzt geht es zum letzten Mal hinein in den Berg. Wir sind gut dabei, können beim Anstieg weitere Teams überholen und kämpfen uns über Geröll den letzten Gipfel der Tour hinauf. Noch einmal genießen wir das Gefühl ganz oben zu stehen, dann geht es im rasanten Tempo bergab. Gritt macht mächtig Druck und bis zur letzten seilversicherten Passage habe ich ab und zu Mühe, den Anschluss zu halten. Über einen wunderschönen Panoramaweg, der allerdings höchste Konzentration erfordert, um auf den letzten Metern nicht zu stürzen, erreichen wir die Forststraße. Noch 500 Meter und wir besuchen zum letzten Mal den Verpflegungsstand. Noch 14 Kilometer bis ins Ziel, die uns noch einmal alles abverlangen. Mal überholen wir, dann werden wir wieder überholt. Die letzten 30 Höhenmeter tun richtig weh und endlich befinden wir uns auf dem Radweg, der sich durch die berühmten Südtiroler Obstplantagen noch 3000 Meter bis ins Ziel schlängelt. Zwar geht es mit leichtem Gefälle nach Latsch, wir können allerdings nicht mehr laufen. Wir wollen vielmehr die letzten Meter genießen. Wir reden nicht und ich bin ergriffen von diesen Momenten. Die letzten 50 Meter laufen wir ins Ziel und die ganze Mannschaft, Aussteller, Freunde und das halbe Organisationsteam von Plan B haben sich hinter der Ziellinie versammelt, um Gritt zu einer außergewöhnlichen Leistung zu gratulieren. Als Herzpatientin mit implantierten Defibrillator sich diesen Lebenstraum erfüllt zu haben, trotz der vielen Hürden und Niederschläge in den letzten acht Tagen, ergreift nicht nur uns, sondern nimmt das ganze Team gefangen. Dann gibt es die obigatprisce Sektdusche, die Medaille und die vielen Gratulationen. Wir haben es geschafft. Ich muss erst einmal ein paar Bier trinken, ein wenig Erfahrungsaustausch mit anderen Finishern hilft, die Emotionen ein wenig zu zügeln. Verheult auf eine Party zu gehen, wäre sicherlich nicht das Schönste. Am Abend wird dann nur noch gefeiert. Jetzt tragen wir stolz das exklusive Salomon Finisher Shirt und versuchen, die letzten Tage noch einmal Revue passieren zu lassen, bevor wir uns morgen wieder der Zivilisation stellen. Wir uns sicherlich wiedersehen: Der Transalpine Run 2010 wartet auf uns. Vielleicht werde ich wieder mitlaufen können, während Gritt sich die Angelegenheit aus der Betreuerperspektive anschauen wird. Eines ist sicher: Für Gritt war es ein einmaliges Erlebnis.
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