Halbzeit 4. Etappe: Galtür – Scuol, 39,92 Kilometer, 2339 Höhenmeter

Ziel1Blauer Himmel, wieder Temperaturen von 3 Grad trotz des verschobenen Starts auf 9:00 Uhr.  Es ist also bitterkalt als wir uns zum Start registrieren lassen.  Da hilft auch Matty nicht weiter, der die offizielle Transalpine Hymne „Keep on Running“ live vor den fast 500 Startern zum Besten gibt. Und Matty gibt richtig Gas, hängt sich rein in seinen Song, wie wir uns später die Berge hochquälen und schafft es doch, fast alle Hände zum rhythmischen Mitklatschen zu bewegen. Am gestrigen Abend hat nach der Pasta Party die Halle getobt, als Matty zum ersten Mal überhaupt seinen Song live gesungen hat. Mit dem Startschuss stehen und fast 40 Kilometer bevor, dazu müssen zwei Berge überwunden werden. Eigentlich gehen wir optimistisch ins Rennen, aber die vergangene schlaflose Nacht sitzt uns genauso in den Knochen wie die Anstrengungen der vergangenen drei Tage. Die ersten zehn Kilometer laufen wir auf einer Forststraße. Wir sind richtig gut unterwegs, kommen sogar in einen angenehmen Laufrhythmus. Die Anstiege gehen wir natürlich hoch, die Kräfte müssen wohldosiert werden. Es warten noch zahlreiche Höhenmeter auf uns. Die Jamtalhütte beherbergt die erste Verpflegungsstelle. Wir sind 90 Minuten unterwegs und liegen eine halbe Stunde vor dem Zeitlimit. Schnell stopfen wir uns mit Bananen und Riegel voll, schütten mit Iso nach und machen uns an den Aufstieg zum Futschölpass auf 2768 Meter. Der Aufstieg gestaltet sich technisch nicht ganz so anspruchsvoll wie auf den letzten Etappen. Keine seilversicherte Passage, dafür ein steiler Anstieg über Geröll. Erst wenn man oben steht, kann man nachvollziehen, wofür man sich hier quält. Das Panorama ist einfach fantastisch. Nur Berge, keine Zivilisation, nur ein paar verrückte Läufer, die mit Rucksäcken bewaffnet Gipfel stürmen. Vom Futschölpass stürzen wir uns wieder in die Tiefe. Es geht hinab bis auf 1900 Meter. Wieder gibt es zahlreiche Möglichkeiten, in den Laufschritt zu fallen, was wir auch tun. So kommen wir relativ zügig vorwärts. Doch dann zweigt die rote Markierung von dem angenehmen Weg wieder ab und es geht wieder bergauf. Die nächste Verpflegungsstelle befindet sich auf 2200 Meter. Jetzt wird es zäh. Der Weg schlängelt sich dahin, die Sonne brennt vom Himmel und die Verpflegungsstelle kommt einfach nicht in Sicht. Dann endlich nach 4:30h erreichen wir die Labestation. Wir bereiten uns hier nun auf den Aufstieg zum zweiten Gipfel vor. Der Piz Clunas auf 2793 Meter ist das Ziel. Wir sind beide schon ziemlich am Ende, gehen langsam bergauf und überholen sogar noch andere Teams, obwohl wir schleichen wie die Schnecken. Auf dem Gipfelgrat angekommen müssen wir noch eine kleine Klettertour auf den Gipfel vornehmen. Mal wieder auf allen vieren, anders würden wir hier nicht mehr hoch kommen. Genau so steil geht es bergab. Wir trauen uns nicht, hinunter ins Tal zu sehen, es ist einfach nur steil. Mühsam quälen wir uns hinab. Jetzt bloß nicht ausrutschen, keine Verletzung riskieren. Gritts Arm ist schon blau und grün und dick, ich bin schon einmal umgeknickt und habe mir dabei das Knie verdreht. Wie sagt unser Trainer Ralf immer: Schmerz vergeht, Ruhm besteht. Nach 7:08 erreichen wir 6 Kilometer vor dem Ziel die letzte Verpflegungsstation. Acht Minuten über dem angepeilten Zeitlimit, aber die sind heute aufgrund des sensationellen Wetters ohnehin obsolet. Jetzt geht es nur noch die Skiabfahrt hinunter und dann sind wir endlich in Scuol. Knapp über acht Stunden haben wir für diese Königsetappe gebraucht. Im Ziel sind wir einfach nur glücklich. Morgen ist mit dem Bergsprint quasi Ruhetag. Zeit, auszuschlafen, die Füße hoch zu legen und die Wunden zu pflegen. Die Hälfte haben wir unter uns. Was soll uns jetzt noch aufhalten?


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Glanzleistung: 2. Etappe: Lech – St Anton, 24 Kilometer, 2040 Höhenmeter

apfelDie gute Nachricht vom gestrigen Abend war, dass aufgrund des Schnees auf den Gipfeln der Start verschoben wurde. So konnten wir noch ein wenig länger die müden Beine hochlegen und nach Entspannung für die geplagten Seelen suchen. Nach dem Frühstück ging es dann auch gleich los Richtung Start. Das Thermometer zeigt 3 Grad. Die Sonne scheint am blauen Himmel, aber dennoch ist es sehr kalt. Wir haben uns dementsprechend warm angezogen. Relativ früh passieren wir das Check-In für die Startbox. Unser Plan hat sich gegenüber gestern geändert. Wir wollen niccht wieder von ganz hinten starten, sondern uns im hinteren Drittel platzieren, aber eben nicht als Letzte los laufen. Nach dem Transalpine Run Song wird noch der „Highway to Hell“ eingeläutet. Dann geht es auch schon los. Wir joggen mit der Masse mit und wieder haben wir nach ein paar Metern den Ort verlassen und befinden uns auf einem Steig. Es ist nicht mehr ganz so rutschig und wie immer geht es gleich in die Vollen. Immer steil nach oben. Bis zur ersten Verpflegung bleiben uns 2 Stunden Zeit. Wir haben eine gute Gruppe vor uns, an die wir uns einfach dranhängen. Gritt gibt den Takt vor uns ich folge mühsam. Nachdem wir die Baumgrenze passiert haben, kommen ein paar unangenehme Stellen. Mal wieder verhindern Steine einen flotteren Laufschritt, aber wir liegen gut Im Rennen. Nach 1:40h haben wir die erste Verpflegungsstelle erreicht. Angesichts der Mitläufer, die uns hier am Verpflegungsstand begegnen, liegen wir sehr gut im Rennen. Ab der ersten Verpflegung geht es dann erst einmal ein paar  Höhenmeter bergab. Dann über die Rauhekopfscharte auf 2415 Metern. Dann wieder ein paar Meter bergab und dann bewegen wir uns auf einem schmalen Grat. Unter uns geht es tief hinab, zum Teil ist der Steig sehr schmal, so dass fast Abrutschgefahr besteht. Dann beginnt der steile und sehr schmerzhafte Anstieg zum höchsten Punkt der heutigen Strecke. Auf 2750 Meter liegt liegt der Valllugagrat. Es ist absolut steil und durch den Schnee sehr rutschig. Gritt quält sich zum Teil auf allen vieren vorwärts, aber auch ich bin am Limit meiner Kräfte. Dann endlich haben wir den höchsten Punkt erreicht. Wir genießen eine wundervolle Aussicht auf die atemberaubende Kulisse. Der Abstieg gestaltet sich apfelanspruchsvoll. Ohne Seil ist man hier wohl hilflos, also hangeln wir uns hinab in die Tiefe. In der zerklüfteten Felslandschaft helfen die Stöcke nicht wirklich weiter. Glücklicherweise hatten wir sie rechtzeitig im Rucksack verstaut. Endlich erreichen wir die zweite Verpflegungsstation auf der Ulmer Hütte. Bis hier haben wir nur knapp über 5 Stunden gebraucht und jetzt sind es nur noch 6,1 Kilometer bis ins Ziel. Die 1000 Höhenmeter im Abstieg absolvieren wir zumeist auf einer breiten Forststraße oder über wunderschöne Wiesen. Gritt muss noch ein nettes Fohlen begrüßen, das uns neugierig anschaut. Dann geht es weiter hinunter. Wir machen langsam, denn momentan sind wir guter Dinge, morgen noch einmal gemeinsam am Start zu stehen. Ins Ziel kommen wir nach 6:08h, was für uns eine Super Zeit ist. Wir haben noch einige Teams hinter uns gelassen. Gritt hat zwar alles gegeben und ist am Abend ziemlich am Ende, aber ich hoffe, dass sie sich bis morgen früh einigermaßen erholt hat. Es wäre wichtig, die dritte Etappe im Zeitlimit zu absolvieren. Dann steht bräuchten wir keine Angst mehr vor einem vorzeitige Aus zu haben.


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1. Etappe: Oberstdorf – Lech, 35.03 Kilometer - 2543 Höhenmeter

Mit der ersten Etappe haben wir bereits mehrfach Grenzen überschritten. Am Morgen waren wir noch optimistisch.
 

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Transalpine Run – das Intro

HaraldIn Oberstdorf Langsam füllt sich das Expo-Gelände rund um das Oberstdorf-Haus, das die Anmeldung und Ausgabe der Startunterlagen beherbergt. Während über den Bergen Nebelschleier wabern, begeben wir uns zur Anmeldung. Zum ersten Mal ist der Transalpine Run ausverkauft. 250 Zweier-Teams werden sich am nächsten Morgen um 10:00 Uhr auf den Weg nach Latsch machen. Über 230 Kilometer und annähernd 15.000 Höhenmeter warten auf die Teilnehmer in den nächsten acht Tagen. Ich bin nun zum vierten Mal dabei. Eigentlich sollte man das Glück nicht überstrapazieren, in den vergangenen drei Jahren konnte ich jedes Mal das Finish feiern. Aber dieses Jahr ist es etwas Besonderes. Ich werde mit meiner Lebensgefährtin Gritt an den Start gehen, die schon lange davon geträumt hat, einmal eine Etappe mit zu laufen. Nachdem also mein Teampartner abgesagt hatte, lag der Entschluss nahe, das zusammen zu versuchen. Trotz ihrer schwerwiegenden Erkrankung wird sie sich also dem Abenteuer Alpenüberquerung stellen. Dementsprechend nimmt uns beide die Aufregung und das Kribbeln gefangen. Wir gehen mit Startnummer 16 als POLAR Team Germany ins Rennen. Teilnehmerausweis, Tasche, Trailbook und ein paar Geschenke der Sponsoren lassen keinen Rückzieher zu. Bei der Anmeldung verewigen wir uns mit unserem Autogramm noch auf dem überdimensionalen Streckenplan. Mittlerweile sind auch die Kollegen von der Eventabteilung auf dem Expogelände eingetroffen. Kay und Meike werden sich um den Stand kümmern, unsere Freundin Tina wird uns nach allen Möglichkeiten während der nächsten Tage unterstützen. Schnell geht es wieder zurück ins Hotel, wir sortieren unsere Laufsachen, packen den Rucksack und überlegen, was wir morgen anziehen sollen. Am Abend geht es dann zur Pasta Party und zum ersten Etappenbriefing. Dann wartet die letzte Nacht vor dem Start auf uns, die hoffentlich keine schlaflose sein wird.

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