Endlich, der Tag war gekommen: 29.5.2011 , Tristar111 Germany in Worms! Der Tag, auf den ich mein Training, seit Wiederaufnahme des Trainings im vergangenen Oktober, ausgerichtet hatte.
Nachdem ich im letzten Jahr, bei der Premierenveranstaltung, mit einer ordentlichen Zeit von 3:58:13h ins Ziel kam und somit den 3. Platz in der AK M20 belegte, war mir besonders viel daran gelegen, in diesem Jahr noch deutlich mehr "auf den Tisch zu knallen", war meine Endzeit doch merklich negativ beeinflusst von meiner miserablen Laufzeit von 57min (!!) auf 10km. Krämpfe in Beinen und Magen hatten mir den abschließenden Lauf dort im vergangenen Jahr zur Tortur gemacht.
Dieses Jahr war der Plan wie folgt:
Im Wasser wollte ich meine Schwimmzeit von 15:16min auf ca. 14:30min verbessern. Auf dem Rad, wo ich mich letztes Jahr selbst überrascht hatte, wollte ich mich von 2:39h auf 2:34h verbessern, was einen knapp 38er Schnitt bedeutete. Und auf der Laufstrecke wollte ich nicht zu viel von mir fordern und peilte somit 45min an. Über das Schwimmen und Radfahren machte ich mir keine allzu großen Gedanken, doch das Laufen würde wohl wieder ein kleines Glücksspiel werden. Aber dazu später mehr...
Nachdem ich am Samstag gemeinsam mit meinem Trainingskollegen und gleichzeitig auch Konkurrenten in der Altersklasse, Johannes Kappel vom TV Lampertheim, die Räder und alle Wechselbeutel eingecheckt hatte, ging's zurück nach Hause, um noch ein wenig zu entspannen.
Sonntag morgen um 3:55 Uhr klingelte dann mein Wecker! Ich hatte, paranoid wie ich war, 5 verschiedene Weckzeiten eingestellt (wofür meine Freundin mich auch wirklich hasste) um auch auf jeden Fall wach zu werden. Doch nach einer ohnehin sehr unruhigen Nacht, war ich sofort hellwach. Anziehen, Kaffee, kleines Frühstück und dann ab ins Auto. Die Aufregung war nun schon ein wenig mehr zu spüren.
Ohne Zeitverzögerung und sogar mit einem kleinen Zeitpolster kamen wir in Worms an. Kurz darauf konnte ich dann in die Wechselzone, um mein Rad vorzubereiten. Hier traf ich noch einige Trainingskollegen, wie Pieter de Neve aus Belgien und auch weitere Mitglieder meines Vereins waren schon vor Ort. Was ein wenig zuschauerunfreundlich war, waren die genau in Sichthöhe aufgehängten Werbebanner am Gitter der Wechselzone. Somit war das einzige, was man von außen sehen konnte, die Beine.
Nachdem alles vorbeitet war, ging es dann so langsam aber sicher in Richtung Start. Nun war ich schon sehr aufgeregt, denn es war nicht nur mein erster Hauptwettkampf in diesem Jahr, sondern auch gleichzeitig meine erster Triathlon-Start in dieser Saison. Meine Freundin versuchte mich etwas runter zu bringen und mir gut zu zu reden, aber so richtig ruhig wurde ich nicht. Dummerweise konnte ich mich auch nicht mehr einschwimmen, aber im Nachhinein war das wohl gar nicht so schlimm...
Nachdem pünktlich um 8.00Uhr die Profis starteten, gingen im Jagdstartverfahren die AK-Athleten hinterher und somit stieg ich gegen 8.05Uhr ins Wasser. Ich hatte mit Johannes Kappel abgesprochen im Wasser eine kleine Allianz zu bilden, was auch erst sehr gut funktionierte. Bis zu ersten Wendeboje machte ich das Tempo, danach ging Johannes nach vorne. An der zweiten Boje dann, schwamm auf einmal ein weit vor uns gestarteter Athlet mitten zwischen uns, weil er scheinbar die Orientierung verloren hatte. Da er Körperausmaße hatte, die der der Boje glichen, kam ich nicht um ihn herum und musste kurz stoppen. Somit war Johannes einige Meter voraus und ich musste alleine die zweite Hälfte der Schwimmstrecke hinter mich bringen, da sich auch niemand finden ließ, der mein Tempo unterstützen hätte können. Egal, für den Kopf war es gut zu sehen, wie viele andere Athleten man überholte. Da meine letzten Wochen vor dem Wettkampf nicht allzu viel Schwimmtraining beinhalteten, entschied ich mich im Wasser nicht alles zu geben und lieber die selbe Schwimmzeit wie im vergangenen Jahr in auf zu nehmen und dafür locker auf's Rad zu steigen, doch als ich aus dem Wasser kam und auf meine Uhr schaute, stand da genau 14:16min!! Also exakt 1min schneller als im vergangenen Jahr.
Davon beflügelt rannte ich die knapp 400m vom Schwimmaustieg bis zur Wechselzone, wo ich mich schnell meines Neos entledigte und alles Notwendige für das folgende Radfahren verstaute.
Schnell zum Rad, raus aus der Wechselzone und ab auf's Rad. Nachdem ich meine Schuhe nach dem Losfahren fest geschlossen hatte, versuchte ich schnell meinen Rhythmus zu finden. Eigentlich hatte ich geplant bei ca. 290 Watt durchschnitllicher Leistung zu fahren, doch so im Rausch hatte ich schon nach 5km 338 Watt im Schnitt auf meinem SRM Computer stehen. Ich sammelte auch schnell Johannes wieder ein und nahm dann ein wenig Intensität raus, denn nach den ersten 20 flachen Kilometern wartete der Anstieg in Alsheim, an dem ich mit einer durschnittlichen Geschwindigkeit von 42,7 km/h ankam. Der Anstieg ist zwar nicht allzu lang, dafür aber recht unangenehm zu fahren. Kurz vor Alsheim stürmte dann auch Pascal Wagner, ein Trainings- und Vereinskollege, heran und schloss sich Johannes und mir an. Mit regelgerechtem Abstand bildeten wir eine gute Dreiergruppe, die ich dann anführte. Den Anstieg in Alsheim knallten wir dann ziemlich flott hoch, sodass ich für den Anstieg durchschnitllich 460 Watt angezeigt bekam! Hiernach waren es nur noch Johannes und ich.
Im letzten Jahr hatten wir absolute Windstille auf der Radstrecke, in diesem Jahr sah das allerdings anders aus. Bis Kilometer 60 hatten wir nahezu die ganze Zeit Gegenwind! Ich fühlte mich gut und hatte mittlerweile alle Vorgaben bezüglich meiner durchschnitllichen Wattzahl über Bord geworfen. Also versuchte ich weiterhin so viel Druck zu machen, wie möglich. Ich war mir nicht mehr sicher, ob es mit der 2:34h etwas werden würde, also versuchte ich das Beste daraus zu machen.
Bei Kilometer 70 dann, hatte ich auf einmal das Gefühl mich übergeben zu müssen, was sich aber schnell wieder einpendelte. Ich fühlte mich wieder recht gut. Bis Kilometer 80! Nun fing mein rechter Oberschenkel an zu Krampfen. Ich wollte dem Krampf nicht nachgeben und versuchte ihn rauszudrücken, doch ich musste meine Tretleistung etwas reduzieren, wenn ich nicht in einem Meer von Krämpfen enden wollte. Zum Glück war die Radstrecke fast um. Ich bog in Richtung Wechselzone ein, schaute auf die Uhr und hatte 2:34h, 37,9km/h und 323Watt Durchschnittsleistung auf der Habenseite stehen! Super für den Kopf! Jetzt konnte das Laufen kommen!

In der Wechselzone angekommen, übergab ich mein Rad einem der Helfer, rannte ins Wechselzelt, wo bereits eine weitere Helferin mit meinem Wechselbeutel auf mich wartete und mir beim Auspacken half. Ich schlüpfte in meine Socken und Schuhe, verstaute die Verpflegung für den letzten Rennabschnitt und da kam schon Johannes ins Wechselzelt. Er rief mir noch zu "Ab geht's, Max!", worauf ich mit "Jetzt geht's erst richtig los! ;) " antwortete und schon rannte ich aus dem Wechselzelt. Meine Freundin, die noch schnell vom Eingangsbereich der Wechselzone herbeigeeilt war, rief mir noch ein paar anfeuernde Worte zu und ab ging's. Mein Plan war den ersten Kilometer in 5min zu laufen, da es die steile Nibelungenbrücke hinaufging, doch meine Beine fühlten sich super an und so hatte ich beim 1Km-Schild 4:16min auf der Uhr stehen. Ich merkte allerdings, dass sich nun in beiden Beinen Krämpfe ankündigten und versuchte nur noch nach Gefühl zu laufen und immer unterhalb der kritischen "Krampfschwelle" zu bleiben.
Die Laufstrecke, die in diesem Jahr geändert wurde, führte über die Nibelungenbrücke, dann direkt wieder zurück und dann 2 Runden durch die Wormser Innenstadt. Eine gute Neuerung, rannte man doch im letzten Jahr die Hälfte der Strecke im Niemandsland ohne einen einzigen Zuschauer. In der Stadt konnte man sogar den ein oder anderen Fleck Schatten mitnehmen und so rannte ich so gut es mir möglich war mein Tempo, mit dem Ziel unter 45min zu bleiben und vor allem keine Krämpfe zu bekommen. Bei Laufkilomter 4 kam mir dann Markus Fachbach vom Commerzbank Triathlon Team entgegen, der auf dem Weg zum Sieg war.
Je weiter ich vorankam und immer wieder auf die Uhr schaute, wurde mir klar, dass ich recht gut in der Zeit lag und so versuchte ich mein Tempo zu halten, was mir auch gelingen sollte.
Ich bog in die letzte Kurve auf die Zielgerade ein und versuchte noch einmal alles zu geben. Ich lief mit nach oben gestreckten Armen und voller Freude durch's Ziel. Mein ursprüngliches Ziel war es unter 3:45h zu bleiben. Ich schaute auf die Uhr, wo ich folgende Zeit ablesen konnte: 3:38:20h! Knappe 20 min schneller als im vergangenen Jahr! Ich war überglücklich!
Leider reichte es in diesem Jahr nicht für eine Podiumsplatzierung, sondern nur für den 5. Platz in der AK, allerdings war ich dritter Deutscher, worüber ich mich auch freuen konnte. Das Starterfeld in diesem Jahr war einfach deutlich stärker besetzt und mein Rennen war super gelaufen. Also brauchte ich mir keine Vorwürfe zu machen.
Glückwunsch an dieser Stelle an Johannes Kappel, der mich zu Beginn der Laufstrecke noch überholte und auf den zweiten Platz vorstürmte! :)
Jetzt heißt es erstmal etwas relaxen, bevor die Ligawettkämpfe kommen und dann beginnt auch schon die Vorbereitung auf meinen zweiten Hauptwettkampf, die Ironman 70.3 European Championships in Wiesbaden.
Bis dahin!
Euer MAX
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