Absolute Windstille, statt Vogelgezwitscher dröhnt monoton der Bass in meinen Ohren. Die Flüssigkeit, die ich oben in mich hineinschütte, scheint auf direktem Weg aus meinen Poren hinaus zu schießen. Ich fühle mich, als hätte ich geraden den zweiten Aufguß in der Sauna hinter mir. Seit einer Stunde habe ich keinen trockenen Fetzen Stoff mehr am Leib. Der Schweiß läuft durch die Hose bis in die Schuhe.
Mühsam drücke ich die Pedale den X-ten Berg hinauf. Wie viele Kilometer bin ich denn jetzt schon gefahren? 30, 40 oder sogar mehr? Aber die nur 2m entfernte Wand habe ich trotzdem noch nicht erreicht. Immerhin kenne ich so langsam meine CD-Sammlung wieder auswendig. Gerade lege ich mein zweites Handtuch tropfnass zur Seite. Der nächste Berg kommt. Puls 170. Die Beine brennen. Nur 10 oder 20 Watt weniger, um die Schmerzen etwas erträglicher zu machen. Die Versuchung ist groß, aber nicht so groß, dass ich ihr nachgebe. Denn noch größer ist das Ziel vor Augen für das man den ganzen Aufwand betreibt. Dann, endlich das erlösende Ende der Quälerei. Ich regle die Leistung meines Rollentrainers herunter und kurble erschöpft die letzten Minuten aus, immer Richtung Zimmerwand.
Der Winter meint es im moment gut mit uns. Zu gut, um draußen ein vernünftiges Radtraining zu machen. Temperaturen unter 0 C und dazu noch eine ordentliche Schneedecke verhindern derzeit das Fahren im Freien. Daher beschränken sich unsere Aktivitäten nunmehr auf Skilanglauf, Laufen und Rollentraining. Doch mit der richtigen Einstellung und Ablenkung (laute Musik bis der Nachbar klingelt) lässt sich auch auf der Rolle ein gutes Trainingsprogramm abspulen. Trotzdem freue ich mich schon jetzt auf die wärmeren Jahreszeiten.
Bis bald Sven



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