6. Etappe: Scuol – Mals, 37,02 Kilometer, 1332 Höhenmeter

Man kann es schon als Wunder bezeichnen, dass wir am heutigen Morgen in Scuol gemeinsam am Start stehen. Allerdings ist es in erster Linie Gritts Kampfgeist zu verdanken, dass wir uns auf den Weg nach Südtirol machen. Es ist die zweitlängste Etappe, allerdings haben wir nur einen Berg zu bezwingen und nicht allzu viele Höhenmeter zu absolvieren. Wieder ist es am Morgen um 8:00 Uhr bitterkalt. Je kälter es ist, desto länger brauchen wir, um in den Tritt zu kommen. Die ersten acht Kilometer geht es nur bergab. Die Forststraße ist breit, so kommt man sich mit den anderen Läufern nicht ins Gehege. Von Beginn an verfallen wir in einen angenehmen Joggingschritt, den wir nur bei kleineren Hügeln unterbrechen. Nach 55 Minuten hat der Spaß ein Ende und es geht langsam hinauf. Neben uns immer wieder der Fluss, den wir mehrfach über kleinere Brücken überqueren. Bis zur ersten Verpflegung, die richtig idyllisch gelegen ist, benötigen wir 1:55h. Dann beginnt der Wanderweg zur Uinaschlucht. Eine atemberaubend schöne Felsschlucht, die uns ein tolles Ambiente für den weiteren Aufstieg bietet. Mittlerweile befinden wir uns in Italien. Der höchste Punkt der heutigen Strecke befindet sich auf 2315 Meter. Aber irgendwie kommt es einem nicht so vor. Es ist ein toller Weg, der sich hier über die Hochebene schlängelt. Es ist angenehm zu laufen, die größten Hürden für den heutigen Tag sind genommen. Aufgrund des schönen Wetters kommen uns viele Wanderer entgegen. Die meisten lassen uns gr0ßzügig den Vortritt und feuern uns an. Das tut gut. Mittlerweile haben wir einen tollen Blick auf die schneebedeckten Dolomiten, die Fernsicht ist grandios. Auf der Plantapatschhütte auf 2108 Meter ist die nächste Verpflegung. Von hier geht es nur noch bergab ins Tal. Wir sind schon sehr angetan, dass keine unangenehmen Überraschungen in Form von steilen Skiabfahrten oder scheinbar unüberwindbare Felsbrocken mehr auf uns warten. Über Forststraßen, Wald- und Wiesenwege geht es weiter hinab ins Tal. Auch wenn die Knie schmerzen und die Füße brennen, wir kommen gut voran. Die letzten fünf Kilometer laufen wir auf Asphalt, eine Wohltat für die Füße. Wir joggen auf dem idyllischen Radweg im 6er Schnitt vor uns hin, das Ziel in Mals immer vor Augen. Nach knapp über sechs Stunden überqueren wir die Ziellinie der sechsten Etappe. Direkt dahinter warten Überraschungsgäste auf uns. Freunde, die vor zwei Jahren mitgelaufen sind und nun in Südtirol Urlaub machen, haben einen Abstecher nach Mals gemacht, um uns hier in Empfang zu nehmen. Aber wir sind einfach zu kaputt, uns noch länger hier aufzuhalten und sind froh, nach der Zielverpflegung Richtung Hotel aufzubrechen. Morgen wartet schließlich die Rappenscharte auf uns. Der höchste Punkt des Transalpine Runs auf über 3000 Meter. Morgen müssen wir also noch einmal hoch hinaus, um in Schlanders anzukommen.


 
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