Mein Überziel - eine Zeit von knapp unter 3 Stunden habe ich leider verfehlt, jedoch kann von Gram und Ärger keine Rede sein. Ich bin mit einer Zeit von 3:01:29 im Ziel angekommen. Landete insgesamt auf Platz 75 und in meiner Altersklasse reichte es für Platz 13. Ich habe es geschafft meine Zeit vom letzten Jahr um knapp 34 Minuten zu verbessern, also habe ich einiges richtig gemacht. So - jetzt nehme ich den Fall Freiburg-Marathon mal auseinander.
Der Tag davor
Um Stress bei der Startunterlangenausgabe zu vermeiden war ich bereits am Vortag auf dem Messegelände um das zu erledigen und bei der Gelegenheit noch über die Marathon-Messe zu gehen. Durch mein Schaffen bei soq bin ich gut über die technischen Neuerungen aus der Sportartikelbranche informiert und nutze diese auch soweit es mir sinnvoll erscheint. Schaue ich mir andere Läufer an, sehe ich das denen das komplett egal ist. Bekleidung in den Farben von 1992 etc. Eine Ausnahme bilden hier die Triathleten die einem optisch bei jeder Veranstaltung sofort ins Auge stechen. Nur vom feinsten und absolute Materialtüftler. Als ich das Messezentrum in Richtung Innenstadt verließ verfinsterte sich meine Miene. Wind und dunkle Wolken - keine gute Aussichten für den Event. Kurze Zeit später gab es dann Hagel über Freiburg.
Das Rennen

Mit etwas gedrückter Stimmung habe ich mich am Sonntag morgen nach Freiburg begeben. Der Wind vom Vortag war noch da und Wolken standen über Freiburg, regnen sollte es allerdings erst am Abend. Als ich mich am Start positionierte war ich doch sehr überrascht. Kein Gedrängel um den idealen Startplatz und so stand ich beim Start um 11.20 Uhr gut im Feld. Es ging gleich ab in den Gegenwind, im Läufermob spürte ich keine Beeinträchtigung. Ich heftete mich direkt an die Fersen der beiden 3-Stunden-Pacemaker. Nach Kilometer 2 merkte ich das die ein hohes Anfangstempo absolvierten. Zwei andere Läufer waren darüber auch sehr erstaunt. Ich bin das Tempo mitgegangen und habe mir das von hinten angeschaut. Als das Tempo im Bereich Eschholzstraße, Blaue Brücke langsamer wurde reifte bei mir die Entschluss vorerst mein eigenes Tempo zu gehen und die Läufertraube zu überholen. Ich habe mich richtig gut gefühlt und bin mit einer kleineren Läufergruppe in Richtung Innenstadt gelaufen. Im Flug ging es durch die Innenstadt in Richtung Kartäuserstraße, dann weiter entlang der Dreisam. Bei Kilometer 10 war ich 45 Sekunden unter meiner Richtzeit, jetzt erreichte ich den Wendepunkt an einer Dreisambrücke. Ein strategisch bedeutsamer Punkt. Ab hier geht es erstmal leicht bergab. Also wieder die Kartäuserstraße runter und über den Schloßbergring in den Ortsteil Herdern, wo traditionell gute Stimmung herrscht. Bei Kilometerstand 15 sprach ich mit zwei Läufern, die sich ebenfalls aus der 3-Stunden-Gruppe verabschiedet hatten und mir erzählten das es hinter uns sehr unruhig zugeht und bereits einer der Läufer gestürzt sei. Ab der Haydenstraße verspürte ich zum ersten Mal heftigen Gegenwind. Dann ging es in Richtung Zähringen, ab dem Wendepunkt Zähringer Straße gab es dann wieder Gegenwind. Gut das ich hier in einer Gruppe von 4 Läufern unterwegs war, also immer schön in den Windschatten. Vorbei am Hauptfriedhof in Richtung Messe und Runde 1 war geschafft - 1:28:34! Gut 1 Minute unter meiner Richtzeit. Was soll's, mit Elan in Runde 2 und mit der Vorahnung das ich irgendwann noch zu kämpfen haben werde. Bis zur Berliner Allee kämpfte ich in kleiner Gruppe gegen den Wind an. Dann hatte das 3-Stunden-Feld wieder aufgeschlossen. Ich habe mich entlang der Haslacher Straße erstmal eingereiht und bin das Tempo mitgegangen. In der Kaiser-Joseph-Straße ca. Kilometerstand 28 hatte ich zum ersten Mal das Gefühl arbeiten zu müssen. Der Wendepunkt an der Dreisam würde mich erstmal erlösen. Neben mir war jetzt die zweitplatzierte Frau, ganz klar eine Triathletin (Materialfrage). In Richtgeschwindigkeit erreichten wir den Wendepunkt an der Dreisam. Jetzt wieder in gutem Flow und Kräfte sparend nach Herdern. Auf dem Weg nach Herdern kamen in mir leichte Zweifel über die Harmonie meiner Pacemaker auf, wirkte etwas unrund. Einer der beiden setzte sich etwa 30 Meter ab. ich blieb beim zweiten merkte jedoch bald das der schwer am kämpfen war. Also überholte ich ihn bei Kilometer 36. In dem Gefühl, dass der zweite Pacemaker die 2:59:59 hinten zu macht und der Andere so 30 Sekunden schneller im Ziel sein möchte lief ich auf Sichtkontakt weiter. Meine Zeit war auch noch gut. Jetzt bloß nicht viel Zeit in den Gegenwindpassagen verlieren, jedoch war ich jetzt allein unterwegs und die Böen waren stärker. So hat es mich ab der Wende Zähringer Straße dann richtig hart erwischt - Regen und Gegenwind. Jetzt ging es nur noch darum das Ziel irgendwie zu erreichen. Die Beine wurden schwer, vorbei an einem gehenden Läufer. Jetzt noch schnell mit letzter Kraft über die Brücke zur neuen Messe (Zuschauerkommentar: "Bei dem geht noch epps") und rein ins Ziel. Sofort kam der Pacemaker zu mir und hat mir gesagt das er das Tempo steigern musste um seine Zeit zu erreichen. Ich war nicht verärgert. Ein anderer Läufer war total sauer und steckte mir das selbst der erste Pacemaker über der angestrebten Zeit blieb, sein Fazit: "Freiburg - vom Winde verweht". Das ist halt so wenn man draußen läuft - höhere Gewalt. Das mit den Pacemakern war jetzt nicht ideal, aber auch hier menschelt es und 3 Stunden sind kein Spaziergung. An meinen klappernden Zähnen beim umziehen wurde mir klar das ich körperlich alles gegeben hatte und das soll dann auch reichen.
Wie geht es weiter
Jetzt folgt eine Regenerationswoche bestehend aus leichten Lauf- und Radeinheiten und dann switche ich auf ein 10-Kilometer Trainingsprogramm um. Ende April kommen 2 Veranstaltungen über die 10er Distanz und Anfang Mai der Schluchseelauf (18,4 km).
Nächstes Jahr, wieder Freiburg?
Kann ich noch nicht sagen. Die Wetterlage in den letzten Jahren war schon nervig, ist gut möglich das ich mir nach dem Wintertraining eine Veranstaltung in wärmeren Gefilden gönne. Mir scheint auch das Interesse am Freiburg-Marathon und der Läuferzuspruch von Jahr zu Jahr geringer zu werden. Freiburg ist in jeder Hinsicht besonders, anders und deshalb geschätzt. Bei der Marathon Veranstaltung fehlt mir das "typisch Freiburg" etwas.
So bleibt mir am Ende nur ein Tom Tittmann Zitat: "Trainieren, trainieren, trainieren".
www.marathon-freiburg.com