Am vergangenen Sonntag war es wieder soweit - ein Vergleichswettkampf. Letztes Jahr gab ich als Greenhorn hier meine Premiere und so kehrte ich dieses Jahr wieder hierher zurück. Motiviert bis in die Haarspitzen und vom Ehrgeiz zerfressen. Gut - mein Fön ist explodiert (für mich eine totale Katastrophe). Ehrgeiz - nachdem die Friesenheimer Seuche bei mir für eine Woche Sodbrennen, Appetitlosigkeit (der Supergau) und Durchschuß gesorgt hatte war die Zielsetzung überschaubar. Um 9:15 Uhr kam ich in Gestalt von Tante Käthe in der Gemeinde Schluchsee an und machte mich startklar. Ein erleichterter Veranstalter verkündete: "Der Wettergott ist ein Schluchseeläufer". Ein Sonne-Wolkenmix bei gefühlten 12 Grad, kein Schnee und kein Regen - perfekt. Um 10:10 Uhr war Start für die 18,4 Kilometer rund um den Schluchsee. Mein Plan war folgender: Ich möchte in einem 1:27iger Halbmarathontempo laufen. Weil ich aus dem vergangenen Jahr gelernt habe nahm ich Position in Startblock 1 (Läufer unter 1:26) ein. Beim ersten Lauf war ich noch in Startblock 2 und da musste ich den ersten Kilometer trabend zurücklegen (Läuferstau).
Der Start
Ab dem Start ging es gleich rechts rum ab ins Unterholz - einen Waldweg rauf. Das Tempo war höher allerdings ging es auch hier sehr beengt zur Sache. Schwierig einen Rhythmus zu finden - Lücke schließen, ausgebremst werden, rechts vorbei links vorbei. Nach 1,4 Kilometern wurde es auf der B500 geräumiger und flach. Hier ein vielzitierter Spruch aus der Läuferbibel: Versuche nie am Start eingebüßte Zeit gleich wieder reinzulaufen. Ich hatte die Zeit Plus 5 Sekunden Bonus nach Kilometer 2 gleich wieder drinnen. Die Strecke verlief parallel zur B500 auf einem Radweg, dann ging es über eine Brücke auf eine flotte Bergabpassage zur Eisenbreche - Getränkestation 1. Nach den ersten 10 Metern hatte bereits einen trockenen Mund, deshalb war mir die Verpflegungsstation sehr willkommen. Kleiner Rückblick: Letztes Jahr hatte ein Greenhorn die Wassersektion mit der Teesektion verwechselt und sich einen Eistee ins Gesicht geschüttet. Nichts gelernt - nach der Verpflegungsstelle trank ich statt Isogetränk einen lauwarmen Eistee. Jetzt ging es stetig Bergauf. Ab Kilometer 6 meldeten sich meine Oberschenkel. Ich dachte noch: Heiliger CEP - gib mir Kraft. Mit der Kohlhütte bei Kilometer 7 war der Anstieg geschafft. Jetzt folgte eine längere Abfahrt. Ich war hier deutlich angeschlagen - die einwöchige Zwangspause und das matschige Geläuf forderten Tribut. Mit der Verpflegungsstelle Unterkrummen bei Kilometerstand 9,1 wurde es wieder flacher. Ein guter Boxenstopp: Isogetränk und Wasser - besser geht's nicht. Bei Kilometer 10 war ich verwundert. Nur circa 15 Sekunden über der Richtzeit eigentlich alles gut. Meinen Beinen war das egal - die hatten nicht mehr wirklich Lust. Bei Kilometerstand 11,8 überquerte ich die Brücke bei Aha und es ging über einen matschigen Naturpfad.
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Schuhwahl
Ich habe mich wegen des teils steinigen Forstweges gegen meine Leichtgewichte (Saucony Fastwitch 4) für die deutlich schwereren Saucony Progrid Ride 2 entschieden. Das war auch richtig, den hier können keine Steine in den Belüftungsöffnungen in der Sohle stecken bleiben. Jedoch sind die halt gut 120 Gramm schwerer.
Ab Aha gab es dieses Jahr eine Streckenänderung. Bisher verlief die Strecke hier ein gutes Stück parallel zur B500. Seit diesem Jahr ist der Uferpfad fertiggestellt und feierte Schluchseelaufpremiere. Ich hätte den Asphalt gut gebrauchen können. Was soll's - weiter solange die Kaugummibeine noch tragen. Dieser Streckenabschnitt erwies sich als undankbar, denn er war sehr wellig und so wurde ich bei moderatem Rennpuls immer langsamer. Jetzt spielte mein Geschwindigkeitsmesser verrückt, 2:21 für Kilometer 16 - wow. Die Realität sah anders aus. Ich musste jetzt einige Läufer vorbei ziehen lassen. Der Hinweis "ab hier noch 3 Kilometer" wurde von mir als Katholiken mit einem "Hallelujah" bedacht. Jetzt galt es nicht weiter durchgereicht zu werden, sondern Position halten und am Bahnhof Schluchsee entspannt auszuschauen. Meine Freundin hatte sich dort mit der Kamera positioniert. Als ich ihren Gesichtsausdruck zur Kenntnis nahm, war mir klar das nicht nur meine Frisur ruiniert war sondern der Rest auch.
Das Ende
2009 hatte ich gelernt das die Veranstalter hier noch ein schönes Bonbon eingebaut haben. Voll im Zielsprinthype merkte ich das es hier bergauf ins Ziel geht - ein Fall zur Maximalpulssteigerung. Darauf wollte ich dieses Jahr, aufgrund der Gesamtsituation, verzichten. Noch schnell die Entspanntmaske aufsetzen und winkend ins Ziel. Wie man bein Zielfoto erkennt hatte ich diese Maske irgendwo verloren.
Fakten, Fakten, Fakten
Ich stoppte bei einer Zeit von 1:21:32, 165 Durchnittspuls, 174 Maximalpuls, 1124 kcal. Mit dieser Zeit erreichte ich Platz 234 in der Gesamtwertung und Platz 32 in meiner Altersklasse. Im Vergleich zum Vorjahr war ich 4:30 Minuten schneller. Der Sieger 2010, Matthias Körner, benötigte für den Kurs 1.03:08 Stunden.
Fazit
Ein landschaftlich sehr schöner Lauf. Ich kann jedem Laufbegeisterten diese Veranstaltung empfehlen. Allerdings ist der Schluchseelauf wegen der Streckenführung, Untergrund und der teilweise beengten Laufsituation nicht schnell. Also bitte nicht die Zeit von einer flachen, gut ausgebauten Strecke als Referenz nehmen. Hat bei mir nicht geklappt.
Was folgt?
Ich starte voraussichtlich am 30.05. in Önsbach auf der Halbmarathondistanz. Ich möchte auf dieser Strecke meinen aktuellen Leistungsstand erfahren, bevor die zahlreichen 10 Kilometer Läufe kommen.
Bis später
Sascha
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