8. Etappe: Schlanders – Latsch,

Sektdusche, Medaille, Finisherparty und der ganze Stolz: Das einmalige und exklusive Finisher Shirt. Wir haben es also am Samstag geschafft, die Ziellinie in Latsch nach über 230 Kilometern und fast 15.000 Höhenmeter zu überschreiten. Einen Tag später sind wir noch einmal in den Startort Oberstdorf zurückgekehrt und versuchen, das Erlebte zu verarbeiten. Es ist schon alles wieder so weit weg, die Schmerzen und die matte Erschöpfung erinnern allerdings noch zu gut an unsere Alpenüberquerung zu Fuß. Gestern Morgen um 9:00 Uhr sah die unsere Läuferwelt noch gar nicht so rosig aus. Mit dem Startschuss machen wir uns auf zur letzten Etappe. Gritt ist zu müde, um überhaupt einen Meter zu laufen.  Schon nach wenigen Metern haben wir den Anschluss an das Feld verloren. Hinter uns ist nur noch der Schlussläufer und ein Fahrzeug der Organisation. Dann gewinnen wir wieder Anschluss, weil eine geschlossene Bahnschranke ein Teil des Feldes am Weiterlaufen hindert. Von jetzt an geht es im wahrsten Sinne des Wortes langsam bergauf. Gritt findet langsam ihren Rhythmus, die rote Laterne können wir abgeben. Als wir den ersten Steig angehen, kommen wir gut voran und die erste Verpflegungsstelle bei Kilometer 10 erreichen wir nach 1:38h. Jetzt geht es zum letzten Mal hinein in den Berg. Wir sind gut dabei, können beim Anstieg weitere Teams überholen und kämpfen uns über Geröll den letzten Gipfel der Tour hinauf. Noch einmal genießen wir das Gefühl ganz oben zu stehen, dann geht es im rasanten Tempo bergab. Gritt macht mächtig Druck und bis zur letzten seilversicherten Passage habe ich ab und zu Mühe, den Anschluss zu halten. Über einen wunderschönen Panoramaweg, der allerdings höchste Konzentration erfordert, um auf den letzten Metern nicht zu stürzen, erreichen wir die Forststraße. Noch 500 Meter und wir besuchen zum letzten Mal den Verpflegungsstand. Noch 14 Kilometer bis ins Ziel, die uns noch einmal alles abverlangen. Mal überholen wir, dann werden wir wieder überholt. Die letzten 30 Höhenmeter tun richtig weh und endlich befinden wir uns auf dem Radweg, der sich durch die berühmten Südtiroler Obstplantagen noch 3000 Meter bis ins Ziel schlängelt. Zwar geht es mit leichtem Gefälle nach Latsch, wir können allerdings nicht mehr laufen. Wir wollen vielmehr die letzten Meter genießen. Wir reden nicht und ich bin ergriffen von diesen Momenten. Die letzten 50 Meter laufen wir ins Ziel und die ganze Mannschaft, Aussteller, Freunde und das halbe Organisationsteam von Plan B haben sich hinter der Ziellinie versammelt, um Gritt zu einer außergewöhnlichen Leistung zu gratulieren. Als Herzpatientin mit implantierten Defibrillator sich diesen Lebenstraum erfüllt zu haben, trotz der vielen Hürden und Niederschläge in den letzten acht Tagen, ergreift nicht nur uns, sondern nimmt das ganze Team gefangen. Dann gibt es die obigatprisce Sektdusche, die Medaille und die vielen Gratulationen. Wir haben es geschafft. Ich muss erst einmal ein paar Bier trinken, ein wenig Erfahrungsaustausch mit anderen Finishern hilft,  die Emotionen ein wenig zu zügeln. Verheult auf eine Party zu gehen, wäre sicherlich nicht das Schönste. Am Abend wird dann nur noch gefeiert. Jetzt tragen wir stolz das exklusive Salomon Finisher Shirt und versuchen, die letzten Tage noch einmal Revue passieren zu lassen, bevor wir uns morgen wieder der Zivilisation stellen. Wir uns sicherlich wiedersehen: Der Transalpine Run 2010 wartet auf uns. Vielleicht werde ich wieder mitlaufen können, während Gritt sich die Angelegenheit aus der Betreuerperspektive anschauen wird. Eines ist sicher: Für Gritt war es ein einmaliges Erlebnis.


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7. Etappe: Mals – Schlanders, 35,5 Kilometer, 2145 Höhenmeter

Geschafft
„Rappenscharte is waiting“ hallt mir noch immer der Slogan von Sprecher Sven vom vorletzten Jahr an der ersten Verpflegung im Ohr. Die Rappenscharte auf 3012 Metern ist der höchste Punkt der Westroute und es ist ein verflixter Berg mit einem verflixten Anstieg. Gut, dass mir das entfallen war. Am Morgen ärgere ich mich erst einmal darüber, dass ich zu warm angezogen bin. Eine warme gefütterte ¾ Hose und zwei Langarmshirts sind bei unerwarteten Temperaturen von 10 Grad am morgen definitiv ein bischen dick aufgetragen. Aber immer noch kein Grund sich zu ärgern, es gibt wesentlich schlimmere Dinge. Zum Beispiel die Frage, ob Gritt fit genug ist, sich der heutigen Herausforderung zu stellen. Aber nach einer weiteren schlaflosen Nacht liegen auch meine nerven blank. Nur gut, dass es endlich losgeht. Der Weg schlängelt sich nach dem neutralisierten Start entlang der typischen Südtiroler Obstwiesen. Schon nach ein paar Kilometern liegt das Tal unter uns. Am Anfang ist das Ganze noch angenehm, doch dann werden wir auf einem schmalen Weg entlang einer Almwiese geleitet. Das macht mir keinen Spaß. Stellenweise ist es rutschig und man findet keinen vernünftigen Rhythmus. Mal muss man gehen, weil es doch zu steil oder zu schmal wird, dann kann man wieder ein paar Meter rennen. Irgendwann sind wir dann wieder auf Asphalt unterwegs, passieren ein kleines Dorf und schon hören wir Sven, der am ersten Verpflegungspunkt noch für Party sorgt. Dann beginnt der gnadenlose Aufstieg zur Rappenscharte durch wegloses Gelände. Natürlich ist die Strecke bestens markiert, aber genauso gut könnte man sich gleich den Steilhang hochquälen, lägen da nicht die vielen losen Steine. A propos Steine, davon sollten wir heute wirklich genug zu sehen und zu spüren bekommen. Große Steine, kleine Steine, lose Steine, nach dem Hochplateau, das wir für eine kurze Verschnaufpause nutzen, begegnen sie uns und begleiten uns bis zum Gipfel. Aufgrund der bisherigen Anstrengung ist mein Gleichgewichtssinn nicht mehr das beste und ich finde keinen guten Halt auf den Felsbrocken, die uns im Weg liegen. Gritt stellt sich da schon wesentlich geschickter an. Immer wieder erarbeitet sie sich einen Vorsprung, den ich kaum aufholen kann. Nach den Felsbrocken kommt Geröll. Man macht einen Schritt vorwärts und rutscht gleich wieder zurück. Es ist so steil, dass wir praktisch senkrecht zum Berg stehen. Stehen bleiben ist natürlich ziemlich fatal, denn dann rutscht man gleich wieder ein hart erkämpftes Stück zurück. So geht es langsam vorwärts und endlich kommt Land in Sicht. Die Scharte ist erreicht. Ein schmaler Grat, ein kurzer Blick in die Ferne zeigt Nebelschwaden und Regenwolken. Also nichts wie runter. So steil wie es hoch ging, geht es auch wieder hinunter. Während ich mich hinunter stürze und mehr rutsche als laufe, macht Gritt ein wenig langsamer. Dafür ist sie weiter unten wieder schneller. Jeder Stein ist für mich eine potentielle Stolperfalle. Genau im Zeitlimit erreichen wir die letzte  Verpflegungsstelle.  Die nächsten 1400 Höhenmeter geht es über Forststraßen und eine Rodelbahn hinab ins Tal nach Schlanders. Es ist so steil, dass die Sehnen knirschen und die Knie schreien. Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. 2000 Meter vor dem Ziel befinden wir uns wieder auf asphaltiertem Grund und laufen dem Ziel entgegen. Noch ein paar Schlenker durch Schlanders und wir sind nach knapp über 7:30h im Ziel. Jetzt trennen uns nur noch 29 Kilometer vom Ziel in Latsch und dem Finisher T-Shirt. Und wenn ich Gritt morgen über den Berg tragen muss, wir werden das Ding jetzt nach Hause laufen.


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6. Etappe: Scuol – Mals, 37,02 Kilometer, 1332 Höhenmeter

Man kann es schon als Wunder bezeichnen, dass wir am heutigen Morgen in Scuol gemeinsam am Start stehen. Allerdings ist es in erster Linie Gritts Kampfgeist zu verdanken, dass wir uns auf den Weg nach Südtirol machen. Es ist die zweitlängste Etappe, allerdings haben wir nur einen Berg zu bezwingen und nicht allzu viele Höhenmeter zu absolvieren. Wieder ist es am Morgen um 8:00 Uhr bitterkalt. Je kälter es ist, desto länger brauchen wir, um in den Tritt zu kommen. Die ersten acht Kilometer geht es nur bergab. Die Forststraße ist breit, so kommt man sich mit den anderen Läufern nicht ins Gehege. Von Beginn an verfallen wir in einen angenehmen Joggingschritt, den wir nur bei kleineren Hügeln unterbrechen. Nach 55 Minuten hat der Spaß ein Ende und es geht langsam hinauf. Neben uns immer wieder der Fluss, den wir mehrfach über kleinere Brücken überqueren. Bis zur ersten Verpflegung, die richtig idyllisch gelegen ist, benötigen wir 1:55h. Dann beginnt der Wanderweg zur Uinaschlucht. Eine atemberaubend schöne Felsschlucht, die uns ein tolles Ambiente für den weiteren Aufstieg bietet. Mittlerweile befinden wir uns in Italien. Der höchste Punkt der heutigen Strecke befindet sich auf 2315 Meter. Aber irgendwie kommt es einem nicht so vor. Es ist ein toller Weg, der sich hier über die Hochebene schlängelt. Es ist angenehm zu laufen, die größten Hürden für den heutigen Tag sind genommen. Aufgrund des schönen Wetters kommen uns viele Wanderer entgegen. Die meisten lassen uns gr0ßzügig den Vortritt und feuern uns an. Das tut gut. Mittlerweile haben wir einen tollen Blick auf die schneebedeckten Dolomiten, die Fernsicht ist grandios. Auf der Plantapatschhütte auf 2108 Meter ist die nächste Verpflegung. Von hier geht es nur noch bergab ins Tal. Wir sind schon sehr angetan, dass keine unangenehmen Überraschungen in Form von steilen Skiabfahrten oder scheinbar unüberwindbare Felsbrocken mehr auf uns warten. Über Forststraßen, Wald- und Wiesenwege geht es weiter hinab ins Tal. Auch wenn die Knie schmerzen und die Füße brennen, wir kommen gut voran. Die letzten fünf Kilometer laufen wir auf Asphalt, eine Wohltat für die Füße. Wir joggen auf dem idyllischen Radweg im 6er Schnitt vor uns hin, das Ziel in Mals immer vor Augen. Nach knapp über sechs Stunden überqueren wir die Ziellinie der sechsten Etappe. Direkt dahinter warten Überraschungsgäste auf uns. Freunde, die vor zwei Jahren mitgelaufen sind und nun in Südtirol Urlaub machen, haben einen Abstecher nach Mals gemacht, um uns hier in Empfang zu nehmen. Aber wir sind einfach zu kaputt, uns noch länger hier aufzuhalten und sind froh, nach der Zielverpflegung Richtung Hotel aufzubrechen. Morgen wartet schließlich die Rappenscharte auf uns. Der höchste Punkt des Transalpine Runs auf über 3000 Meter. Morgen müssen wir also noch einmal hoch hinaus, um in Schlanders anzukommen.


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5. Etappe: Scuol – Bergsprint, 6,19 Kilometer, 936 Höhenmeter

ghMit genügend Schlaf und herrlichem blauen Himmel beginnt der Morgen. Allerdings fühlt sich Gritt nicht gut. Die Strapazen der gestrigen Etappe sind ihr deutlich anzusehen und fast sieht es schon so aus, dass wir den Bergsprint nicht mehr zusammen absolvieren können. Dann kämpft sie sich doch noch in ihre Laufschuhe und wir begeben zum Start. Um 10:24 Uhr heißt es, Zähne zusammen beißen und durch. Zwar haben auch die Rettungssanitäter und begleitende Ärzte Bedenken, Gritt ins Rennen zu lassen, aber wir versprechen auf Herzfrequenz, Trinken etc zu achten und bei jeder Auffälligkeit das Rennen zu beenden. Dann endlich machen wir uns auf den Weg, den Berg zu erobern. Gritt stützt sich auf meine Stöcke und langsam quälen wir uns die Strecke bergauf, die wir gestern voller Euphorie nach Scuol hinunter gelaufen sind. Natürlich werden wir von den hinter uns gestarteten Teams überholt, natürlich reichen die Kräfte nicht, um die schwächeren Teams, die 30 Sekunden vor uns gestartet sind, einzuholen. Unser Ziel heute kann nur heißen, da oben anzukommen. Nach rund 20 Minuten hat Gritt ihren eigenen Rhythmus gefunden. Wir kommen zwar nur langsam, dafür stetig vorwärts. Endlich ist Land in Sicht. Die letzten 200 Meter Aufatmen, wir haben es mal wieder geschafft. Zwar haben wir 1:27h für die relativ kurze Strecke gebraucht, aber wir sind noch im Rennen. Am Nachmittag geht es für Gritt erst einmal zu den Sanis. Auch wenn es mit einem erneuten Start schlecht aussieht, aufgegeben haben wir noch nicht!


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Glanzleistung: 2. Etappe: Lech – St Anton, 24 Kilometer, 2040 Höhenmeter

apfelDie gute Nachricht vom gestrigen Abend war, dass aufgrund des Schnees auf den Gipfeln der Start verschoben wurde. So konnten wir noch ein wenig länger die müden Beine hochlegen und nach Entspannung für die geplagten Seelen suchen. Nach dem Frühstück ging es dann auch gleich los Richtung Start. Das Thermometer zeigt 3 Grad. Die Sonne scheint am blauen Himmel, aber dennoch ist es sehr kalt. Wir haben uns dementsprechend warm angezogen. Relativ früh passieren wir das Check-In für die Startbox. Unser Plan hat sich gegenüber gestern geändert. Wir wollen niccht wieder von ganz hinten starten, sondern uns im hinteren Drittel platzieren, aber eben nicht als Letzte los laufen. Nach dem Transalpine Run Song wird noch der „Highway to Hell“ eingeläutet. Dann geht es auch schon los. Wir joggen mit der Masse mit und wieder haben wir nach ein paar Metern den Ort verlassen und befinden uns auf einem Steig. Es ist nicht mehr ganz so rutschig und wie immer geht es gleich in die Vollen. Immer steil nach oben. Bis zur ersten Verpflegung bleiben uns 2 Stunden Zeit. Wir haben eine gute Gruppe vor uns, an die wir uns einfach dranhängen. Gritt gibt den Takt vor uns ich folge mühsam. Nachdem wir die Baumgrenze passiert haben, kommen ein paar unangenehme Stellen. Mal wieder verhindern Steine einen flotteren Laufschritt, aber wir liegen gut Im Rennen. Nach 1:40h haben wir die erste Verpflegungsstelle erreicht. Angesichts der Mitläufer, die uns hier am Verpflegungsstand begegnen, liegen wir sehr gut im Rennen. Ab der ersten Verpflegung geht es dann erst einmal ein paar  Höhenmeter bergab. Dann über die Rauhekopfscharte auf 2415 Metern. Dann wieder ein paar Meter bergab und dann bewegen wir uns auf einem schmalen Grat. Unter uns geht es tief hinab, zum Teil ist der Steig sehr schmal, so dass fast Abrutschgefahr besteht. Dann beginnt der steile und sehr schmerzhafte Anstieg zum höchsten Punkt der heutigen Strecke. Auf 2750 Meter liegt liegt der Valllugagrat. Es ist absolut steil und durch den Schnee sehr rutschig. Gritt quält sich zum Teil auf allen vieren vorwärts, aber auch ich bin am Limit meiner Kräfte. Dann endlich haben wir den höchsten Punkt erreicht. Wir genießen eine wundervolle Aussicht auf die atemberaubende Kulisse. Der Abstieg gestaltet sich apfelanspruchsvoll. Ohne Seil ist man hier wohl hilflos, also hangeln wir uns hinab in die Tiefe. In der zerklüfteten Felslandschaft helfen die Stöcke nicht wirklich weiter. Glücklicherweise hatten wir sie rechtzeitig im Rucksack verstaut. Endlich erreichen wir die zweite Verpflegungsstation auf der Ulmer Hütte. Bis hier haben wir nur knapp über 5 Stunden gebraucht und jetzt sind es nur noch 6,1 Kilometer bis ins Ziel. Die 1000 Höhenmeter im Abstieg absolvieren wir zumeist auf einer breiten Forststraße oder über wunderschöne Wiesen. Gritt muss noch ein nettes Fohlen begrüßen, das uns neugierig anschaut. Dann geht es weiter hinunter. Wir machen langsam, denn momentan sind wir guter Dinge, morgen noch einmal gemeinsam am Start zu stehen. Ins Ziel kommen wir nach 6:08h, was für uns eine Super Zeit ist. Wir haben noch einige Teams hinter uns gelassen. Gritt hat zwar alles gegeben und ist am Abend ziemlich am Ende, aber ich hoffe, dass sie sich bis morgen früh einigermaßen erholt hat. Es wäre wichtig, die dritte Etappe im Zeitlimit zu absolvieren. Dann steht bräuchten wir keine Angst mehr vor einem vorzeitige Aus zu haben.


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1. Etappe: Oberstdorf – Lech, 35.03 Kilometer - 2543 Höhenmeter

Mit der ersten Etappe haben wir bereits mehrfach Grenzen überschritten. Am Morgen waren wir noch optimistisch.
 

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Transalpine Run – das Intro

HaraldIn Oberstdorf Langsam füllt sich das Expo-Gelände rund um das Oberstdorf-Haus, das die Anmeldung und Ausgabe der Startunterlagen beherbergt. Während über den Bergen Nebelschleier wabern, begeben wir uns zur Anmeldung. Zum ersten Mal ist der Transalpine Run ausverkauft. 250 Zweier-Teams werden sich am nächsten Morgen um 10:00 Uhr auf den Weg nach Latsch machen. Über 230 Kilometer und annähernd 15.000 Höhenmeter warten auf die Teilnehmer in den nächsten acht Tagen. Ich bin nun zum vierten Mal dabei. Eigentlich sollte man das Glück nicht überstrapazieren, in den vergangenen drei Jahren konnte ich jedes Mal das Finish feiern. Aber dieses Jahr ist es etwas Besonderes. Ich werde mit meiner Lebensgefährtin Gritt an den Start gehen, die schon lange davon geträumt hat, einmal eine Etappe mit zu laufen. Nachdem also mein Teampartner abgesagt hatte, lag der Entschluss nahe, das zusammen zu versuchen. Trotz ihrer schwerwiegenden Erkrankung wird sie sich also dem Abenteuer Alpenüberquerung stellen. Dementsprechend nimmt uns beide die Aufregung und das Kribbeln gefangen. Wir gehen mit Startnummer 16 als POLAR Team Germany ins Rennen. Teilnehmerausweis, Tasche, Trailbook und ein paar Geschenke der Sponsoren lassen keinen Rückzieher zu. Bei der Anmeldung verewigen wir uns mit unserem Autogramm noch auf dem überdimensionalen Streckenplan. Mittlerweile sind auch die Kollegen von der Eventabteilung auf dem Expogelände eingetroffen. Kay und Meike werden sich um den Stand kümmern, unsere Freundin Tina wird uns nach allen Möglichkeiten während der nächsten Tage unterstützen. Schnell geht es wieder zurück ins Hotel, wir sortieren unsere Laufsachen, packen den Rucksack und überlegen, was wir morgen anziehen sollen. Am Abend geht es dann zur Pasta Party und zum ersten Etappenbriefing. Dann wartet die letzte Nacht vor dem Start auf uns, die hoffentlich keine schlaflose sein wird.

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Letzte Etappe: Niederdorf im Pustertal – Sexten, 33,88 Kilometer, 2120 Höhenmeter


Unser letzter Etappentag fängt suboptimal an. Das für halb sieben bestellte Frühstück ist nicht fertig. Glücklicherweise hat Gritt vorgesorgt und wir zwängen uns zwei Riesenbrötchen rein. Schon der Morgen verspricht tolles Wetter. Unsere Laune am Start zur letzten Etappe verspricht ebenfalls einen gelungenen Tag. Natürlich schmerzt die komplette Muskulatur, aber 34 Kilometer sitzen wir doch auf einer Pobacke ab. Von wegen!! Die letzte Etappe hat es in sich. Wir laufen um acht Uhr los, immer mit der Meute mit. Ein idyllischer Radweg führt uns an einem schönen See vorbei, über den sich der Nebel wölbt. Nach rund 10 Kilometern überqueren wir eine Straße und erreichen nach rund 1:04 Stunde den ersten Verpflegungspunkt. Bis hierher läuft eigentlich alles DSCF0183nach Plan, wenn die eingeschobenen Gehpausen nicht wären, die ich einfach machen muss. Heute bin ich einfach leer. Die Luft ist ok, aber die Muskulatur möchte nicht mehr arbeiten. Es folgt der Anstieg zur Lückelescharte auf 2545 Meter. Wie schon gewohnt schlängelt sich der Weg zunächst sehr steil durch ein Waldstück. Oben wird das Grün schließlich weniger, zumindest keine schattenspendenden Bäume mehr. Wir befinden uns auf einem Hochplateau bevor es über Geröll zum richtigen und letzten Anstieg kommt. Schon bis zum Hochplateau habe ich massive Probleme. So langsam geht es wieder ein wenig besser und der Anstieg zur Scharte verläuft besser als gedacht, wenn auch sehr langsam. Einige Teams überholen mich und als ich wegrutsche und im steilen Geröllhang keine Tritt finde, trampelt man einfach mal über mich hinüber. Die Abenteurer hier haben es eilig und Solidarität oder Hilfe spielt angesichts des Kampfes um Platzierungen keine Rolle. Daniel stapft vorne weg und wartet am höchsten Punkt, den auch ich bald atemlos erreiche. Dann geht es erst einmal genau so steil über ein Geröllfeld hinab. 500 Höhenmeter im Blindflug, auf dem wir wieder einige Teams überholen, um wenig später wieder auf 2466 hoch zu klettern. Ich bin außer Atem und kraftlos und wanke den wunderschönen Höhenweg weiter. Der Wind pfeift uns um die Ohren, aber ich bin nicht mehr in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Schritt für Schritt dem Ziel entgegen. Schließlich erreichen wir eine seilgesicherte Passage, kurze Rast, weil Wandertouristen die Engstelle einfach mal versperren. „Gehen sie doch einfach mal zur Seite, sonst holen wir uns hier alle eine Lungenentzündung“ höre ich Daniel. Ich klettere an einer wohl beleibten Dame vorbei, doch meine Hoffnung damit den höchsten Punkt erreicht zu haben wird enttäuscht. Weiter hoch schlängelt sich der schmale Pfad. Aber selbst in meinem miserablen Zustand kann ich das Panorama genießen. Die drei Zinnen erheben sich vor uns und werden von der mittäglichen Sonne angestrahlt. Immer wieder werde ich überholt, weil mein Körper nicht mehr funktioniert. „Harald, willst Du vielleicht ein Gel oder ein Powerbar, dann geht es Dir besser“ bietet mir eine Mitstreiterin an, der wohl mein torkelnder Gang aufgefallen ist. Dankend nehme ich an und damit schaffe ich es bir zur Dreizinnenhütte, wo die zweite Verpflegung auf uns wartet. Essen kann ich nichts, ein Gel, ein paar Becher Powerbar und dann mache ich mich an den Abstieg. Daniel hat sich, mehr Zeit gelassen, aber der holt mich sowieso schon bald wieder ein. Jetzt geht es nur noch bergab. Auf den steinigen und abschüssigen Passagen überholen wir wieder Teams, was mir Mut macht. Daniel springt wie ein Bergfloh hinab, wartet und hüpft zum Erstaunen der Konkurrenz in einem wahnsinnigen Tempo einfach weiter, um wieder auf mich zu warten. So vergeht Kilometer um Kilometer und die letzte Verpflegungsstelle ist bald erreicht. „Nur noch sechs Kilometer“ werden wir begrüßt, aber ich kann nicht mehr gerade stehen und torkele mit Melone und Getränk einfach der Forststraße weiter.  In meinem Marathonschlappschritt versuche ich keine Gehpausen zu machen, ist ja auch sinnlos so kurz vor dem Ziel. Daniel ist immer 50 Meter voraus, was mich auf der einen Seite frustriert, aber auch sehr motiviert trotz aller Schmerzen und Kreislaufprobleme einfach in meinem Tempo weiter zu laufen. Die Anfeuerungsversuche der Passanten prallen in meinem Laufnebel einfach ab. „Noch ein Kilometer“ sehe ich den Streckenposten vor mir und ich laufe einfach weiter. Ein Kilometer von knappen 300. Daniel feuert mich noch einmal an und dann erreichen wir unter lautem Jubel von Zuschauern den Zielkanal. Gritt drückt Daniel eine Flasche Sekt in die Hand und mit Sektdusche überqueren wir die Ziellinie. Glücklich liegen wir uns in den Armen, nehmen die Medaille in Empfang und freuen uns einfach über die vielen Gratulanten. Nach einem Liter Cola geht’s auch dem Kreislauf wieder besser und jetzt werden wir noch einmal richtig Gas geben. Heute abend auf der Finisher-Party werden wir feiern. Es war eine harte Tour und wir können nur davon abraten, den Transalpine Run auf die leichte Schulter zu nehmen. Es ist ein hartes Rennen mit einer hohen Ausfallquote. Ich habe es zum dritten Mal geschafft, Daniel feiert seine Premiere und wird wohl nicht mehr am Start stehen. Jetzt hat unser Tagebuch ein Ende, unser Lauf auch und wir sind es jetzt erst einmal auch. Goodbye und Keep on Running!

 

Harald und Daniel
 
 
 
 

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7. Etappe: Antholz-Mittertal – Niederdorf, 34. Kilometer 1800 Höhenmeter

 
Die gute Nachricht wurde uns schon am Nachmittag im Hotel überbracht. Der Start wurde  von sieben auf acht Uhr morgens verlegt, die Distanz von der ursprünglich geplanten Marathonstrecke um zehn Kilometer auf 34 Kilometer gekürzt. Das Wetter ist auch über 2500 Höhenmeter zu unbeständig und die Teilnehmer überwiegend einfach total platt. Also finden wir uns am morgen wieder rechtzeitig zum Start ein, um eine angenehme Startposition zu ergattern. Auf den ersten 3 Kilometern überholen DSCF0128wir ein paar Teams, aber schon jetzt merke ich, dass heute bei mir gar nichts geht. Ich bekomme schon jetzt einfach keine Luft. Bei Daniel läuft es wie immer, aber er muss ständig auf mich warten. Beim Anstieg zur Grübelscharte bleibt mir schon früh einfach die Luft weg. Die Bronchien sind zu, das Atmen ist einfach eine Qual. Steil geht es im Wald hoch und ich befürchte, die Etappe heute nicht zu überleben. Zum Glück begegnen uns bald Nico und Lutz, die beiden Rettungssanitäter, die auf der Strecke immer nach dem rechten schauen. Lutz fragt, ob alles ok ist und ich ringe mir nur „Sauerstoff“ ab. Weiter oben hält Nico Asthma-Spray bereit. Zunächst weigere ich mich, aber Nico meint, dass wahrscheinlich meine Bronchien total überreizt sind. Also rein mit dem Zeug und weiter geht es mit der Kraxelei. Wir kämpfen uns weiter nach oben. Ich bekomme etwas besser Luft, aber trotzdem ist der Aufstieg für mich der einzige Horror. Hinter mir drängelt sich die Teilnehmerschlange, drei – vier Mal spüre ich die Stockspitzen in meinenDSCF0129 Schuhen und irgendwann platzt mir einfach der Kragen: „Der nächste, der mir seine Stöcke in die Schuhe rammt, den schubse ich vom Berg“ ächze ich. Daniel kann sich ein wenig Platz verschaffen. Endlich haben wir die Grübelscharte erreicht, doch der Abstieg fällt ebenfalls schwer. Mit jedem Schritt zieht ein stechender Schmerz durch den Brustkorb. So mühen wir uns weiter ab. Eigentlich wäre die Strecke heute für uns gemacht. Ein breiter Forstweg führt uns hinunter ins Tal und man könnte so schön rennen, aber bei mir geht’s einfach nicht. Meinen Vorschlag, uns zu trennen, verneint Daniel vehement. So bleibt nur das gewohnte Bild. Daniel vorne weg, Daniel wartend, Daniel vorne weg. An der zweiten Verpflegung stoße ich wieder auf Nico. Er reicht mir noch einmal das Spray, dann geht es weiter. Auf der ansteigenden Forststraße fühle ich mich plötzlich wie am Balaton. Wir sind zu einem ungarischen Team aufgelaufen, die uns nach der weiteren Wegstrecke fragen. Da Daniel ungarisch spricht, erteilt er bereitwillig Auskunft. Ich habe meine Ruhe und lausche den fremden Worten, während ich mir vornehme an den beiden dran zu bleiben. Doch irgendwann ist die Ablenkung vorbei, weil die beiden Ungarn einen schnelleren Schritt haben. Hinter der letzten Verpflegung geht es noch einmal 250 Meter hoch, das Atmen fällt wieder schwer und wir wandern weiter. Irgendwann geht es endlich bergab, erst über Asphalt, dann einen schmalen Waldpfad. Wir überholen sogar noch zwei Teams. Endlich erreichen wir das Ziel. Natürlich haben wir Plätze verloren, aber das spielt doch eigentlich keine Rolle. Wir haben zusammen das Ziel erreicht, wenn auch weitestgehend wortlos. Wir haben ein paar Tropfen abbekommen, doch im Ziel scheint mal kurz die Sonne. Die vorletzte Etappe ist zu Ende, morgen geht es über die drei Zinnen nach Sexten ins Ziel und dann wird gefeiert.

 

Harald und Daniel   

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6. Etappe – Sand in Taufers – Antholz – Mittertal 24,83Km – 1983 Hm

Wie Harald gestern bereits beschrieben hatte, war gestern kein guter Tag für mich. Die Sanis haben mir ein Voltaren-Verband verpaßt und mir  noch zwei weitere Voltaren Tabletten mitgegeben. Eigentlich bin ich kein Fan von sowas, aber der Sani hatte mir dazu geraten.
Heute morgen dann gleich die Frage von Harald: „Und? Geht’s?“ Daniel: "Bestens!" Ich fühlte michDSCF0106 wie ausgetauscht. Selbst meine Oberschenkel haben nicht mehr weh getan. Wie ausgetauscht. Harald ging es auch heute nicht so gut. Weiterhin Probleme mit dem Kreislauf und der Luft und dann ging es heute auch noch auf 2800 Meter hoch.
Wir waren heute relativ knapp am Start, so dass wir uns wieder hinten einreihen mussten, was nicht weiter schlimm war. So konnten wir die Etappe ruhig angehen lassen. Die ersten drei Kilometer waren flach bevor es in die 12 Kilometer lange Steigung hineinging. Immer mal wieder kleinere Passagen bergab, die zum Verschnaufen genutzt wurden. Mir ging es heute wirklich sehr gut. Harald hatte mit jeden Meter den es weiter hochging mehr mit der Luft zu kämpfen.  Obwohl es ihm nicht so gut ging, konnte Harald doch recht zügig hochstiefeln. Mittlerweile waren um uns herum nur noch Steine zu sehen und es wurde kalt, da ein eiskalter Wind wehte. Wir machten eine kurze Rast um uns unsere Windjacken über die herzfrequenz – Langarmshirts drüber zu sehen. Diese Gelegenheit nutze „der“ Koreaner der uns bereits die letzten Etappen aufgefallen ist. Er rennt immer mit seiner High-End Videokamera durch das Starterfeld. Da wir da gerade standen, durfte ich gleich mal ein Interview geben. Der Kerl ist echt der Wahnsinn… wenn der nicht soviel mit Filmen beschäftigt wäre, wäre der weit vorne mit dabei. Es ging weiter, „nur noch 800 Höhenmeter“ rufe ich Harald zu, der inzwischen wieder mit mir reden kann. Wir fangen wieder an ein bisschen rumzublödeln. So langsam mach ich mir Gedanken über den Anstieg und mir kommen die Worte vom Harald und seine Gesicht vor dem Start in den Sinn. Harald: „Ich habe Angst!“. Ich frage mich, wie wohl der Abstieg aussieht, wenn bei dem Aufstieg nur Steine zu sehen sind. Wir wurden bereits vorgewarnt und es wurde uns gesagt, dass es eine Passage geben wird, bei der Überholen verboten ist. Ich war gespannt.
Kurz vor dem Gipfel wurde noch ein span. Team angehalten, da Sie immer noch ohne Windschutz hochstapften. Wir laufen weiter. Es ist nicht mehr weit. DSCF0120Oben angekommen wartet auch schon die zweite Verpflegungsstation auf uns.  Für die letzten sieben Kilometer brauchen wir nicht mehr viel. Schnell ein Gel rein, mit Powerbar nachgespült und weitergehts. Dann kam auch schon der Klettersteig, also die gefährliche Stelle. Daniel: „Harald?“, Harald: „ Ja?“ Daniel: „Harald, das sind alles Stufen und keine Steine! Und die Steine die da sind, sind alles deine Freund!“. Ich versuchte Harald so gut wie möglich abzulenken, damit er nicht zuviel über das Absteigen nachdenkt. Ich glaube es ist mir ein Stück weit gelungen.  Harald zu dem Team hinter sich: „ Wollt‘ ihr vorbei?... Ach ne! Dürft ihr ja gar nicht, sonst werdet ihr disqualifiziert!“ mit einem kleinen Lächeln auf dem Lippen. So ging es Stein für Stein herunter. Wir mussten uns diesmal gar nicht verstecken. Uns haben vielleicht 7 oder 8 Teams überholt.  Als es hielt sich in Grenzen. Harald wieder noch zum Bergabläufer.
Daniel: „Harald?“ …. 21, 22…. Harald: „Ja?“, Daniel: „2 Sekunden“. Wir haben gestern vereinbart, die Zeit des Schalls zu zählen, damit ich weiß wie weit Harald hinter mir ist…. Das funktioniert voll gut…. schon klar. Ich feuer Harald immer wieder an. „Es ist nicht mehr weit“ ruf ich zu ihm rüber. Wir befinden uns bereits wieder auf einer asphaltierten Straße und man kann das Ziel schon riechen. Nach 5:10h erreichen wir das Ziel. Die Freude ist groß! Selbst Harald, der im Ziel wirklich noch nie gelacht hat, hat ein Lächeln im Gesicht. 24Km und 5 Stunden. Das hätte ich nicht gedacht, aber bei 2000 Höhenmetern eigentlich nicht weiter verwunderlich.
Heute musste sich Harald von den Sanis aushelfen lassen. Schmerzen an beiden Fußgelenken. Hoffen wir, dass es ihm so geht wir mir. Zwei Voltaren und alles ist wieder gut.
Morgen wird es nochmal richtig, richtig hart. 42,195 Km mit 2788 Höhenmetern. Es dürfte wohl wieder eine Etappe werden, bei der wir um die 8 oder 9 Stunden unterwegs sind. Das heißt für uns: Schnell essen gehen und dann ab in die Heia!

Daniel & Harald
 
 
 
 
 
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