Training für den Kopf

Mein Freund und zweimaliger Transalpine-Run Teampartner Daniel benötigt keinen Berg, um in den Bergen zurecht zu kommen. Auch meine Liebste ist für mich ein Koordinations- und Gleichgewichtwunder, denn auch mit ihr absolvierte ich den Transalpine-Run und lief in schwierigen Passagen mehr hinterher als vorweg. Momentan überwiegen also die Selbstzweifel und die drohende Erhenntnis, dass ich mir mit dem Petite Trotte a Leon zuviel zumute. Als Bewegungslegastheniker sollte man vielleicht die Finger von Bergabenteuern lassen. Aber man möchte ja schließlich seine Ängste bekämpfen und am Ende siegen. Also hilft jetzt kein Gejammer, sondern Augen zu und durch, nicht kleckern, sondern klotzen und sich bloß nicht jetzt schon verrückt machen lassen.  Nach dem harten Trainingswochenende gab es einen Tag Pause, dann wieder drei Mal Training. Das regelmäßige Laufen zwischen 70 und 90 Minuten ist Bewegungstherapie, auf extreme Belastungen kann man sich kaum vorbereiten. Der beste Trainer der Welt sagt immer, ein Rennen wird zu 70 bis 90 Prozent im Kopf entschieden. Da hat er Recht und das kann man trainieren. Insofern ist es gar nicht schlecht, das Wochenende in St. Wendel zu verbringen, sozusagen im Auftrag des Herrn. Es ist schon eine gewisse Krux, wenn man bei der führenden Agentur für Trailrunning-Events beschäftigt ist. Da kommt man bei den besten Vorbereitungsrennen nicht selber zum Laufen. So werde ich wohl auf den Zugspitz Ultratrail und auf die 4 Trails verzichten müssen. Aber jetzt am Wochenende gönne ich mir einen Marathon, übrigens den ersten in diesem Jahr. Wenn ich schon mal hier bin und Werbung für die tollsten Bergläufe machen darf, dann kann ich auch schon mal mitlaufen. Marathon eben, Asphalt treten, hat nichts mit den Bergen zu tun, aber für die mentale Stärke ein gutes Training. Die Zeit spielt natürlich keine, okay, sagen wir eine untergeordnete Rolle. Deutlich unter vier Stunden sollte es schon werden, aber was am Ende herauskommt, zeigt sich am Sonntag. Zumindest Spaß soll es machen und den Geist beflügeln. Die erste nennenswerte Trainingseinheit für den Kopf. Und der Körper hat ja auch was davon:-).

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Der Ruf des weißen Berges

UTMB 2009Ich habe ihn verflucht, stellenweise mich dafür gehasst und mir geschworen, nie mehr nach Chamonix zurück zu kehren und den UTMB als eine außergewöhnliche und wichtige Erfahrung in meiner Läufervita abzuspeichern. Trotz der erfolgreichen Teilnahme am UTMB 2009, wollte ich dem Mont Blanc für immer den Rücken zukehren. Doch dann kam Carsten und mit ihm nach der erfolgreichen Teilnahme am gax scania, einem Nontstop-Rennen von rund 260 Kilometer durch Schweden im letzten Jahr auch die Idee, es doch einmal gemeinsam beim PTL zu probieren. Nun ist es so weit und ich weiß nicht, ob die Freude oder die Angst überwiegt. Das Schicksal hat uns diesen Startplatz beschert und so werde ich wieder nach Chamonix reisen und Angesicht zu Angesicht den Mont Blanc ein weiteres Mal herausfordern. Dieses Mal unter noch extremeren Bedingungen. Der Veranstalter spricht von rund 300 Kilometern und 24.000 Höhenmetern bei einem Zeitlimit von 138 Stunden. Ob das zu schaffen ist? Ich habe keine Ahnung! Die Zweifel überwiegen, insbesondere weil ich mich bergab schwer tue und wirklich nicht der beste Kletterkünstler bin. Dem mögen die fünfmaligen Teilnahmen am Transalpine-Run widersprechen, aber das Gebirge rund um den Mont Blanc spricht eine andere Sprache. Während sich in meinem Hinterstübchen die Gedanken langsam mit dem PTL anfreunden, weiß mein zukünftiger Teamkollege noch nichts von der neuen Herausforderung. Carsten tummelt sich gerade im Off auf Skitour durch Lappland. Ich bin gespannt, was er dazu sagen wird.  Mit dem PTL im Hinterkopf läuft es sich beschwerlicher. Regelmäßige Herausforderungen stärken das Bewusstsein. In diesem Sinne folgte eine Drei-Stunden-Einheit auf die Burg Frankenstein bei mittäglicher Frühsommerhitze. Gleich einmal das Dehydrieren geübt, denn irgendwie war zu wenig Wasser im Trinkrucksack. Übrigens ein Relikt aus UTMB-Trainingszeiten, der sich für lange Einheiten bestens eignet. Am Ostermontag folgte dann ein schneller 25er. Beim Osterlauf in Jügesheim hätte ich fast den Start verpasst, weil das große Startbanner für die zehn Kilometer-Strecke gedacht war. Die "Langstreckler" starteten an einem weißen Kreidestrich 150 Meter vom Banner entfernt.  Brettflache Strecke durch´s nahe gelegene Waldgebiet, da ist die Zeit nicht so wichtig und trotzdem freute ich mich über 2:03 bei Hitze. Im Ziel wartete schon die Liebste, die in den Genuss kam, vor dem großen Startbanner die zehn Kilometer Strecke zu absolvieren. Der Rest des Tages war überwiegend von Müdigkeit geprägt und von einem langen Spaziergang mit den besten Hunden der Welt. Eine gutes Training im Angesichts des PTL.

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8. Etappe: Schlanders – Latsch,

Sektdusche, Medaille, Finisherparty und der ganze Stolz: Das einmalige und exklusive Finisher Shirt. Wir haben es also am Samstag geschafft, die Ziellinie in Latsch nach über 230 Kilometern und fast 15.000 Höhenmeter zu überschreiten. Einen Tag später sind wir noch einmal in den Startort Oberstdorf zurückgekehrt und versuchen, das Erlebte zu verarbeiten. Es ist schon alles wieder so weit weg, die Schmerzen und die matte Erschöpfung erinnern allerdings noch zu gut an unsere Alpenüberquerung zu Fuß. Gestern Morgen um 9:00 Uhr sah die unsere Läuferwelt noch gar nicht so rosig aus. Mit dem Startschuss machen wir uns auf zur letzten Etappe. Gritt ist zu müde, um überhaupt einen Meter zu laufen.  Schon nach wenigen Metern haben wir den Anschluss an das Feld verloren. Hinter uns ist nur noch der Schlussläufer und ein Fahrzeug der Organisation. Dann gewinnen wir wieder Anschluss, weil eine geschlossene Bahnschranke ein Teil des Feldes am Weiterlaufen hindert. Von jetzt an geht es im wahrsten Sinne des Wortes langsam bergauf. Gritt findet langsam ihren Rhythmus, die rote Laterne können wir abgeben. Als wir den ersten Steig angehen, kommen wir gut voran und die erste Verpflegungsstelle bei Kilometer 10 erreichen wir nach 1:38h. Jetzt geht es zum letzten Mal hinein in den Berg. Wir sind gut dabei, können beim Anstieg weitere Teams überholen und kämpfen uns über Geröll den letzten Gipfel der Tour hinauf. Noch einmal genießen wir das Gefühl ganz oben zu stehen, dann geht es im rasanten Tempo bergab. Gritt macht mächtig Druck und bis zur letzten seilversicherten Passage habe ich ab und zu Mühe, den Anschluss zu halten. Über einen wunderschönen Panoramaweg, der allerdings höchste Konzentration erfordert, um auf den letzten Metern nicht zu stürzen, erreichen wir die Forststraße. Noch 500 Meter und wir besuchen zum letzten Mal den Verpflegungsstand. Noch 14 Kilometer bis ins Ziel, die uns noch einmal alles abverlangen. Mal überholen wir, dann werden wir wieder überholt. Die letzten 30 Höhenmeter tun richtig weh und endlich befinden wir uns auf dem Radweg, der sich durch die berühmten Südtiroler Obstplantagen noch 3000 Meter bis ins Ziel schlängelt. Zwar geht es mit leichtem Gefälle nach Latsch, wir können allerdings nicht mehr laufen. Wir wollen vielmehr die letzten Meter genießen. Wir reden nicht und ich bin ergriffen von diesen Momenten. Die letzten 50 Meter laufen wir ins Ziel und die ganze Mannschaft, Aussteller, Freunde und das halbe Organisationsteam von Plan B haben sich hinter der Ziellinie versammelt, um Gritt zu einer außergewöhnlichen Leistung zu gratulieren. Als Herzpatientin mit implantierten Defibrillator sich diesen Lebenstraum erfüllt zu haben, trotz der vielen Hürden und Niederschläge in den letzten acht Tagen, ergreift nicht nur uns, sondern nimmt das ganze Team gefangen. Dann gibt es die obigatprisce Sektdusche, die Medaille und die vielen Gratulationen. Wir haben es geschafft. Ich muss erst einmal ein paar Bier trinken, ein wenig Erfahrungsaustausch mit anderen Finishern hilft,  die Emotionen ein wenig zu zügeln. Verheult auf eine Party zu gehen, wäre sicherlich nicht das Schönste. Am Abend wird dann nur noch gefeiert. Jetzt tragen wir stolz das exklusive Salomon Finisher Shirt und versuchen, die letzten Tage noch einmal Revue passieren zu lassen, bevor wir uns morgen wieder der Zivilisation stellen. Wir uns sicherlich wiedersehen: Der Transalpine Run 2010 wartet auf uns. Vielleicht werde ich wieder mitlaufen können, während Gritt sich die Angelegenheit aus der Betreuerperspektive anschauen wird. Eines ist sicher: Für Gritt war es ein einmaliges Erlebnis.


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7. Etappe: Mals – Schlanders, 35,5 Kilometer, 2145 Höhenmeter

Geschafft
„Rappenscharte is waiting“ hallt mir noch immer der Slogan von Sprecher Sven vom vorletzten Jahr an der ersten Verpflegung im Ohr. Die Rappenscharte auf 3012 Metern ist der höchste Punkt der Westroute und es ist ein verflixter Berg mit einem verflixten Anstieg. Gut, dass mir das entfallen war. Am Morgen ärgere ich mich erst einmal darüber, dass ich zu warm angezogen bin. Eine warme gefütterte ¾ Hose und zwei Langarmshirts sind bei unerwarteten Temperaturen von 10 Grad am morgen definitiv ein bischen dick aufgetragen. Aber immer noch kein Grund sich zu ärgern, es gibt wesentlich schlimmere Dinge. Zum Beispiel die Frage, ob Gritt fit genug ist, sich der heutigen Herausforderung zu stellen. Aber nach einer weiteren schlaflosen Nacht liegen auch meine nerven blank. Nur gut, dass es endlich losgeht. Der Weg schlängelt sich nach dem neutralisierten Start entlang der typischen Südtiroler Obstwiesen. Schon nach ein paar Kilometern liegt das Tal unter uns. Am Anfang ist das Ganze noch angenehm, doch dann werden wir auf einem schmalen Weg entlang einer Almwiese geleitet. Das macht mir keinen Spaß. Stellenweise ist es rutschig und man findet keinen vernünftigen Rhythmus. Mal muss man gehen, weil es doch zu steil oder zu schmal wird, dann kann man wieder ein paar Meter rennen. Irgendwann sind wir dann wieder auf Asphalt unterwegs, passieren ein kleines Dorf und schon hören wir Sven, der am ersten Verpflegungspunkt noch für Party sorgt. Dann beginnt der gnadenlose Aufstieg zur Rappenscharte durch wegloses Gelände. Natürlich ist die Strecke bestens markiert, aber genauso gut könnte man sich gleich den Steilhang hochquälen, lägen da nicht die vielen losen Steine. A propos Steine, davon sollten wir heute wirklich genug zu sehen und zu spüren bekommen. Große Steine, kleine Steine, lose Steine, nach dem Hochplateau, das wir für eine kurze Verschnaufpause nutzen, begegnen sie uns und begleiten uns bis zum Gipfel. Aufgrund der bisherigen Anstrengung ist mein Gleichgewichtssinn nicht mehr das beste und ich finde keinen guten Halt auf den Felsbrocken, die uns im Weg liegen. Gritt stellt sich da schon wesentlich geschickter an. Immer wieder erarbeitet sie sich einen Vorsprung, den ich kaum aufholen kann. Nach den Felsbrocken kommt Geröll. Man macht einen Schritt vorwärts und rutscht gleich wieder zurück. Es ist so steil, dass wir praktisch senkrecht zum Berg stehen. Stehen bleiben ist natürlich ziemlich fatal, denn dann rutscht man gleich wieder ein hart erkämpftes Stück zurück. So geht es langsam vorwärts und endlich kommt Land in Sicht. Die Scharte ist erreicht. Ein schmaler Grat, ein kurzer Blick in die Ferne zeigt Nebelschwaden und Regenwolken. Also nichts wie runter. So steil wie es hoch ging, geht es auch wieder hinunter. Während ich mich hinunter stürze und mehr rutsche als laufe, macht Gritt ein wenig langsamer. Dafür ist sie weiter unten wieder schneller. Jeder Stein ist für mich eine potentielle Stolperfalle. Genau im Zeitlimit erreichen wir die letzte  Verpflegungsstelle.  Die nächsten 1400 Höhenmeter geht es über Forststraßen und eine Rodelbahn hinab ins Tal nach Schlanders. Es ist so steil, dass die Sehnen knirschen und die Knie schreien. Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. 2000 Meter vor dem Ziel befinden wir uns wieder auf asphaltiertem Grund und laufen dem Ziel entgegen. Noch ein paar Schlenker durch Schlanders und wir sind nach knapp über 7:30h im Ziel. Jetzt trennen uns nur noch 29 Kilometer vom Ziel in Latsch und dem Finisher T-Shirt. Und wenn ich Gritt morgen über den Berg tragen muss, wir werden das Ding jetzt nach Hause laufen.


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6. Etappe: Scuol – Mals, 37,02 Kilometer, 1332 Höhenmeter

Man kann es schon als Wunder bezeichnen, dass wir am heutigen Morgen in Scuol gemeinsam am Start stehen. Allerdings ist es in erster Linie Gritts Kampfgeist zu verdanken, dass wir uns auf den Weg nach Südtirol machen. Es ist die zweitlängste Etappe, allerdings haben wir nur einen Berg zu bezwingen und nicht allzu viele Höhenmeter zu absolvieren. Wieder ist es am Morgen um 8:00 Uhr bitterkalt. Je kälter es ist, desto länger brauchen wir, um in den Tritt zu kommen. Die ersten acht Kilometer geht es nur bergab. Die Forststraße ist breit, so kommt man sich mit den anderen Läufern nicht ins Gehege. Von Beginn an verfallen wir in einen angenehmen Joggingschritt, den wir nur bei kleineren Hügeln unterbrechen. Nach 55 Minuten hat der Spaß ein Ende und es geht langsam hinauf. Neben uns immer wieder der Fluss, den wir mehrfach über kleinere Brücken überqueren. Bis zur ersten Verpflegung, die richtig idyllisch gelegen ist, benötigen wir 1:55h. Dann beginnt der Wanderweg zur Uinaschlucht. Eine atemberaubend schöne Felsschlucht, die uns ein tolles Ambiente für den weiteren Aufstieg bietet. Mittlerweile befinden wir uns in Italien. Der höchste Punkt der heutigen Strecke befindet sich auf 2315 Meter. Aber irgendwie kommt es einem nicht so vor. Es ist ein toller Weg, der sich hier über die Hochebene schlängelt. Es ist angenehm zu laufen, die größten Hürden für den heutigen Tag sind genommen. Aufgrund des schönen Wetters kommen uns viele Wanderer entgegen. Die meisten lassen uns gr0ßzügig den Vortritt und feuern uns an. Das tut gut. Mittlerweile haben wir einen tollen Blick auf die schneebedeckten Dolomiten, die Fernsicht ist grandios. Auf der Plantapatschhütte auf 2108 Meter ist die nächste Verpflegung. Von hier geht es nur noch bergab ins Tal. Wir sind schon sehr angetan, dass keine unangenehmen Überraschungen in Form von steilen Skiabfahrten oder scheinbar unüberwindbare Felsbrocken mehr auf uns warten. Über Forststraßen, Wald- und Wiesenwege geht es weiter hinab ins Tal. Auch wenn die Knie schmerzen und die Füße brennen, wir kommen gut voran. Die letzten fünf Kilometer laufen wir auf Asphalt, eine Wohltat für die Füße. Wir joggen auf dem idyllischen Radweg im 6er Schnitt vor uns hin, das Ziel in Mals immer vor Augen. Nach knapp über sechs Stunden überqueren wir die Ziellinie der sechsten Etappe. Direkt dahinter warten Überraschungsgäste auf uns. Freunde, die vor zwei Jahren mitgelaufen sind und nun in Südtirol Urlaub machen, haben einen Abstecher nach Mals gemacht, um uns hier in Empfang zu nehmen. Aber wir sind einfach zu kaputt, uns noch länger hier aufzuhalten und sind froh, nach der Zielverpflegung Richtung Hotel aufzubrechen. Morgen wartet schließlich die Rappenscharte auf uns. Der höchste Punkt des Transalpine Runs auf über 3000 Meter. Morgen müssen wir also noch einmal hoch hinaus, um in Schlanders anzukommen.


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5. Etappe: Scuol – Bergsprint, 6,19 Kilometer, 936 Höhenmeter

ghMit genügend Schlaf und herrlichem blauen Himmel beginnt der Morgen. Allerdings fühlt sich Gritt nicht gut. Die Strapazen der gestrigen Etappe sind ihr deutlich anzusehen und fast sieht es schon so aus, dass wir den Bergsprint nicht mehr zusammen absolvieren können. Dann kämpft sie sich doch noch in ihre Laufschuhe und wir begeben zum Start. Um 10:24 Uhr heißt es, Zähne zusammen beißen und durch. Zwar haben auch die Rettungssanitäter und begleitende Ärzte Bedenken, Gritt ins Rennen zu lassen, aber wir versprechen auf Herzfrequenz, Trinken etc zu achten und bei jeder Auffälligkeit das Rennen zu beenden. Dann endlich machen wir uns auf den Weg, den Berg zu erobern. Gritt stützt sich auf meine Stöcke und langsam quälen wir uns die Strecke bergauf, die wir gestern voller Euphorie nach Scuol hinunter gelaufen sind. Natürlich werden wir von den hinter uns gestarteten Teams überholt, natürlich reichen die Kräfte nicht, um die schwächeren Teams, die 30 Sekunden vor uns gestartet sind, einzuholen. Unser Ziel heute kann nur heißen, da oben anzukommen. Nach rund 20 Minuten hat Gritt ihren eigenen Rhythmus gefunden. Wir kommen zwar nur langsam, dafür stetig vorwärts. Endlich ist Land in Sicht. Die letzten 200 Meter Aufatmen, wir haben es mal wieder geschafft. Zwar haben wir 1:27h für die relativ kurze Strecke gebraucht, aber wir sind noch im Rennen. Am Nachmittag geht es für Gritt erst einmal zu den Sanis. Auch wenn es mit einem erneuten Start schlecht aussieht, aufgegeben haben wir noch nicht!


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Glanzleistung: 2. Etappe: Lech – St Anton, 24 Kilometer, 2040 Höhenmeter

apfelDie gute Nachricht vom gestrigen Abend war, dass aufgrund des Schnees auf den Gipfeln der Start verschoben wurde. So konnten wir noch ein wenig länger die müden Beine hochlegen und nach Entspannung für die geplagten Seelen suchen. Nach dem Frühstück ging es dann auch gleich los Richtung Start. Das Thermometer zeigt 3 Grad. Die Sonne scheint am blauen Himmel, aber dennoch ist es sehr kalt. Wir haben uns dementsprechend warm angezogen. Relativ früh passieren wir das Check-In für die Startbox. Unser Plan hat sich gegenüber gestern geändert. Wir wollen niccht wieder von ganz hinten starten, sondern uns im hinteren Drittel platzieren, aber eben nicht als Letzte los laufen. Nach dem Transalpine Run Song wird noch der „Highway to Hell“ eingeläutet. Dann geht es auch schon los. Wir joggen mit der Masse mit und wieder haben wir nach ein paar Metern den Ort verlassen und befinden uns auf einem Steig. Es ist nicht mehr ganz so rutschig und wie immer geht es gleich in die Vollen. Immer steil nach oben. Bis zur ersten Verpflegung bleiben uns 2 Stunden Zeit. Wir haben eine gute Gruppe vor uns, an die wir uns einfach dranhängen. Gritt gibt den Takt vor uns ich folge mühsam. Nachdem wir die Baumgrenze passiert haben, kommen ein paar unangenehme Stellen. Mal wieder verhindern Steine einen flotteren Laufschritt, aber wir liegen gut Im Rennen. Nach 1:40h haben wir die erste Verpflegungsstelle erreicht. Angesichts der Mitläufer, die uns hier am Verpflegungsstand begegnen, liegen wir sehr gut im Rennen. Ab der ersten Verpflegung geht es dann erst einmal ein paar  Höhenmeter bergab. Dann über die Rauhekopfscharte auf 2415 Metern. Dann wieder ein paar Meter bergab und dann bewegen wir uns auf einem schmalen Grat. Unter uns geht es tief hinab, zum Teil ist der Steig sehr schmal, so dass fast Abrutschgefahr besteht. Dann beginnt der steile und sehr schmerzhafte Anstieg zum höchsten Punkt der heutigen Strecke. Auf 2750 Meter liegt liegt der Valllugagrat. Es ist absolut steil und durch den Schnee sehr rutschig. Gritt quält sich zum Teil auf allen vieren vorwärts, aber auch ich bin am Limit meiner Kräfte. Dann endlich haben wir den höchsten Punkt erreicht. Wir genießen eine wundervolle Aussicht auf die atemberaubende Kulisse. Der Abstieg gestaltet sich apfelanspruchsvoll. Ohne Seil ist man hier wohl hilflos, also hangeln wir uns hinab in die Tiefe. In der zerklüfteten Felslandschaft helfen die Stöcke nicht wirklich weiter. Glücklicherweise hatten wir sie rechtzeitig im Rucksack verstaut. Endlich erreichen wir die zweite Verpflegungsstation auf der Ulmer Hütte. Bis hier haben wir nur knapp über 5 Stunden gebraucht und jetzt sind es nur noch 6,1 Kilometer bis ins Ziel. Die 1000 Höhenmeter im Abstieg absolvieren wir zumeist auf einer breiten Forststraße oder über wunderschöne Wiesen. Gritt muss noch ein nettes Fohlen begrüßen, das uns neugierig anschaut. Dann geht es weiter hinunter. Wir machen langsam, denn momentan sind wir guter Dinge, morgen noch einmal gemeinsam am Start zu stehen. Ins Ziel kommen wir nach 6:08h, was für uns eine Super Zeit ist. Wir haben noch einige Teams hinter uns gelassen. Gritt hat zwar alles gegeben und ist am Abend ziemlich am Ende, aber ich hoffe, dass sie sich bis morgen früh einigermaßen erholt hat. Es wäre wichtig, die dritte Etappe im Zeitlimit zu absolvieren. Dann steht bräuchten wir keine Angst mehr vor einem vorzeitige Aus zu haben.


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1. Etappe: Oberstdorf – Lech, 35.03 Kilometer - 2543 Höhenmeter

Mit der ersten Etappe haben wir bereits mehrfach Grenzen überschritten. Am Morgen waren wir noch optimistisch.
 

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Transalpine Run – das Intro

HaraldIn Oberstdorf Langsam füllt sich das Expo-Gelände rund um das Oberstdorf-Haus, das die Anmeldung und Ausgabe der Startunterlagen beherbergt. Während über den Bergen Nebelschleier wabern, begeben wir uns zur Anmeldung. Zum ersten Mal ist der Transalpine Run ausverkauft. 250 Zweier-Teams werden sich am nächsten Morgen um 10:00 Uhr auf den Weg nach Latsch machen. Über 230 Kilometer und annähernd 15.000 Höhenmeter warten auf die Teilnehmer in den nächsten acht Tagen. Ich bin nun zum vierten Mal dabei. Eigentlich sollte man das Glück nicht überstrapazieren, in den vergangenen drei Jahren konnte ich jedes Mal das Finish feiern. Aber dieses Jahr ist es etwas Besonderes. Ich werde mit meiner Lebensgefährtin Gritt an den Start gehen, die schon lange davon geträumt hat, einmal eine Etappe mit zu laufen. Nachdem also mein Teampartner abgesagt hatte, lag der Entschluss nahe, das zusammen zu versuchen. Trotz ihrer schwerwiegenden Erkrankung wird sie sich also dem Abenteuer Alpenüberquerung stellen. Dementsprechend nimmt uns beide die Aufregung und das Kribbeln gefangen. Wir gehen mit Startnummer 16 als POLAR Team Germany ins Rennen. Teilnehmerausweis, Tasche, Trailbook und ein paar Geschenke der Sponsoren lassen keinen Rückzieher zu. Bei der Anmeldung verewigen wir uns mit unserem Autogramm noch auf dem überdimensionalen Streckenplan. Mittlerweile sind auch die Kollegen von der Eventabteilung auf dem Expogelände eingetroffen. Kay und Meike werden sich um den Stand kümmern, unsere Freundin Tina wird uns nach allen Möglichkeiten während der nächsten Tage unterstützen. Schnell geht es wieder zurück ins Hotel, wir sortieren unsere Laufsachen, packen den Rucksack und überlegen, was wir morgen anziehen sollen. Am Abend geht es dann zur Pasta Party und zum ersten Etappenbriefing. Dann wartet die letzte Nacht vor dem Start auf uns, die hoffentlich keine schlaflose sein wird.

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Letzte Etappe: Niederdorf im Pustertal – Sexten, 33,88 Kilometer, 2120 Höhenmeter


Unser letzter Etappentag fängt suboptimal an. Das für halb sieben bestellte Frühstück ist nicht fertig. Glücklicherweise hat Gritt vorgesorgt und wir zwängen uns zwei Riesenbrötchen rein. Schon der Morgen verspricht tolles Wetter. Unsere Laune am Start zur letzten Etappe verspricht ebenfalls einen gelungenen Tag. Natürlich schmerzt die komplette Muskulatur, aber 34 Kilometer sitzen wir doch auf einer Pobacke ab. Von wegen!! Die letzte Etappe hat es in sich. Wir laufen um acht Uhr los, immer mit der Meute mit. Ein idyllischer Radweg führt uns an einem schönen See vorbei, über den sich der Nebel wölbt. Nach rund 10 Kilometern überqueren wir eine Straße und erreichen nach rund 1:04 Stunde den ersten Verpflegungspunkt. Bis hierher läuft eigentlich alles DSCF0183nach Plan, wenn die eingeschobenen Gehpausen nicht wären, die ich einfach machen muss. Heute bin ich einfach leer. Die Luft ist ok, aber die Muskulatur möchte nicht mehr arbeiten. Es folgt der Anstieg zur Lückelescharte auf 2545 Meter. Wie schon gewohnt schlängelt sich der Weg zunächst sehr steil durch ein Waldstück. Oben wird das Grün schließlich weniger, zumindest keine schattenspendenden Bäume mehr. Wir befinden uns auf einem Hochplateau bevor es über Geröll zum richtigen und letzten Anstieg kommt. Schon bis zum Hochplateau habe ich massive Probleme. So langsam geht es wieder ein wenig besser und der Anstieg zur Scharte verläuft besser als gedacht, wenn auch sehr langsam. Einige Teams überholen mich und als ich wegrutsche und im steilen Geröllhang keine Tritt finde, trampelt man einfach mal über mich hinüber. Die Abenteurer hier haben es eilig und Solidarität oder Hilfe spielt angesichts des Kampfes um Platzierungen keine Rolle. Daniel stapft vorne weg und wartet am höchsten Punkt, den auch ich bald atemlos erreiche. Dann geht es erst einmal genau so steil über ein Geröllfeld hinab. 500 Höhenmeter im Blindflug, auf dem wir wieder einige Teams überholen, um wenig später wieder auf 2466 hoch zu klettern. Ich bin außer Atem und kraftlos und wanke den wunderschönen Höhenweg weiter. Der Wind pfeift uns um die Ohren, aber ich bin nicht mehr in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Schritt für Schritt dem Ziel entgegen. Schließlich erreichen wir eine seilgesicherte Passage, kurze Rast, weil Wandertouristen die Engstelle einfach mal versperren. „Gehen sie doch einfach mal zur Seite, sonst holen wir uns hier alle eine Lungenentzündung“ höre ich Daniel. Ich klettere an einer wohl beleibten Dame vorbei, doch meine Hoffnung damit den höchsten Punkt erreicht zu haben wird enttäuscht. Weiter hoch schlängelt sich der schmale Pfad. Aber selbst in meinem miserablen Zustand kann ich das Panorama genießen. Die drei Zinnen erheben sich vor uns und werden von der mittäglichen Sonne angestrahlt. Immer wieder werde ich überholt, weil mein Körper nicht mehr funktioniert. „Harald, willst Du vielleicht ein Gel oder ein Powerbar, dann geht es Dir besser“ bietet mir eine Mitstreiterin an, der wohl mein torkelnder Gang aufgefallen ist. Dankend nehme ich an und damit schaffe ich es bir zur Dreizinnenhütte, wo die zweite Verpflegung auf uns wartet. Essen kann ich nichts, ein Gel, ein paar Becher Powerbar und dann mache ich mich an den Abstieg. Daniel hat sich, mehr Zeit gelassen, aber der holt mich sowieso schon bald wieder ein. Jetzt geht es nur noch bergab. Auf den steinigen und abschüssigen Passagen überholen wir wieder Teams, was mir Mut macht. Daniel springt wie ein Bergfloh hinab, wartet und hüpft zum Erstaunen der Konkurrenz in einem wahnsinnigen Tempo einfach weiter, um wieder auf mich zu warten. So vergeht Kilometer um Kilometer und die letzte Verpflegungsstelle ist bald erreicht. „Nur noch sechs Kilometer“ werden wir begrüßt, aber ich kann nicht mehr gerade stehen und torkele mit Melone und Getränk einfach der Forststraße weiter.  In meinem Marathonschlappschritt versuche ich keine Gehpausen zu machen, ist ja auch sinnlos so kurz vor dem Ziel. Daniel ist immer 50 Meter voraus, was mich auf der einen Seite frustriert, aber auch sehr motiviert trotz aller Schmerzen und Kreislaufprobleme einfach in meinem Tempo weiter zu laufen. Die Anfeuerungsversuche der Passanten prallen in meinem Laufnebel einfach ab. „Noch ein Kilometer“ sehe ich den Streckenposten vor mir und ich laufe einfach weiter. Ein Kilometer von knappen 300. Daniel feuert mich noch einmal an und dann erreichen wir unter lautem Jubel von Zuschauern den Zielkanal. Gritt drückt Daniel eine Flasche Sekt in die Hand und mit Sektdusche überqueren wir die Ziellinie. Glücklich liegen wir uns in den Armen, nehmen die Medaille in Empfang und freuen uns einfach über die vielen Gratulanten. Nach einem Liter Cola geht’s auch dem Kreislauf wieder besser und jetzt werden wir noch einmal richtig Gas geben. Heute abend auf der Finisher-Party werden wir feiern. Es war eine harte Tour und wir können nur davon abraten, den Transalpine Run auf die leichte Schulter zu nehmen. Es ist ein hartes Rennen mit einer hohen Ausfallquote. Ich habe es zum dritten Mal geschafft, Daniel feiert seine Premiere und wird wohl nicht mehr am Start stehen. Jetzt hat unser Tagebuch ein Ende, unser Lauf auch und wir sind es jetzt erst einmal auch. Goodbye und Keep on Running!

 

Harald und Daniel
 
 
 
 

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