7. Etappe: Antholz-Mittertal – Niederdorf, 34. Kilometer 1800 Höhenmeter

 
Die gute Nachricht wurde uns schon am Nachmittag im Hotel überbracht. Der Start wurde  von sieben auf acht Uhr morgens verlegt, die Distanz von der ursprünglich geplanten Marathonstrecke um zehn Kilometer auf 34 Kilometer gekürzt. Das Wetter ist auch über 2500 Höhenmeter zu unbeständig und die Teilnehmer überwiegend einfach total platt. Also finden wir uns am morgen wieder rechtzeitig zum Start ein, um eine angenehme Startposition zu ergattern. Auf den ersten 3 Kilometern überholen DSCF0128wir ein paar Teams, aber schon jetzt merke ich, dass heute bei mir gar nichts geht. Ich bekomme schon jetzt einfach keine Luft. Bei Daniel läuft es wie immer, aber er muss ständig auf mich warten. Beim Anstieg zur Grübelscharte bleibt mir schon früh einfach die Luft weg. Die Bronchien sind zu, das Atmen ist einfach eine Qual. Steil geht es im Wald hoch und ich befürchte, die Etappe heute nicht zu überleben. Zum Glück begegnen uns bald Nico und Lutz, die beiden Rettungssanitäter, die auf der Strecke immer nach dem rechten schauen. Lutz fragt, ob alles ok ist und ich ringe mir nur „Sauerstoff“ ab. Weiter oben hält Nico Asthma-Spray bereit. Zunächst weigere ich mich, aber Nico meint, dass wahrscheinlich meine Bronchien total überreizt sind. Also rein mit dem Zeug und weiter geht es mit der Kraxelei. Wir kämpfen uns weiter nach oben. Ich bekomme etwas besser Luft, aber trotzdem ist der Aufstieg für mich der einzige Horror. Hinter mir drängelt sich die Teilnehmerschlange, drei – vier Mal spüre ich die Stockspitzen in meinenDSCF0129 Schuhen und irgendwann platzt mir einfach der Kragen: „Der nächste, der mir seine Stöcke in die Schuhe rammt, den schubse ich vom Berg“ ächze ich. Daniel kann sich ein wenig Platz verschaffen. Endlich haben wir die Grübelscharte erreicht, doch der Abstieg fällt ebenfalls schwer. Mit jedem Schritt zieht ein stechender Schmerz durch den Brustkorb. So mühen wir uns weiter ab. Eigentlich wäre die Strecke heute für uns gemacht. Ein breiter Forstweg führt uns hinunter ins Tal und man könnte so schön rennen, aber bei mir geht’s einfach nicht. Meinen Vorschlag, uns zu trennen, verneint Daniel vehement. So bleibt nur das gewohnte Bild. Daniel vorne weg, Daniel wartend, Daniel vorne weg. An der zweiten Verpflegung stoße ich wieder auf Nico. Er reicht mir noch einmal das Spray, dann geht es weiter. Auf der ansteigenden Forststraße fühle ich mich plötzlich wie am Balaton. Wir sind zu einem ungarischen Team aufgelaufen, die uns nach der weiteren Wegstrecke fragen. Da Daniel ungarisch spricht, erteilt er bereitwillig Auskunft. Ich habe meine Ruhe und lausche den fremden Worten, während ich mir vornehme an den beiden dran zu bleiben. Doch irgendwann ist die Ablenkung vorbei, weil die beiden Ungarn einen schnelleren Schritt haben. Hinter der letzten Verpflegung geht es noch einmal 250 Meter hoch, das Atmen fällt wieder schwer und wir wandern weiter. Irgendwann geht es endlich bergab, erst über Asphalt, dann einen schmalen Waldpfad. Wir überholen sogar noch zwei Teams. Endlich erreichen wir das Ziel. Natürlich haben wir Plätze verloren, aber das spielt doch eigentlich keine Rolle. Wir haben zusammen das Ziel erreicht, wenn auch weitestgehend wortlos. Wir haben ein paar Tropfen abbekommen, doch im Ziel scheint mal kurz die Sonne. Die vorletzte Etappe ist zu Ende, morgen geht es über die drei Zinnen nach Sexten ins Ziel und dann wird gefeiert.

 

Harald und Daniel   

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6. Etappe – Sand in Taufers – Antholz – Mittertal 24,83Km – 1983 Hm

Wie Harald gestern bereits beschrieben hatte, war gestern kein guter Tag für mich. Die Sanis haben mir ein Voltaren-Verband verpaßt und mir  noch zwei weitere Voltaren Tabletten mitgegeben. Eigentlich bin ich kein Fan von sowas, aber der Sani hatte mir dazu geraten.
Heute morgen dann gleich die Frage von Harald: „Und? Geht’s?“ Daniel: "Bestens!" Ich fühlte michDSCF0106 wie ausgetauscht. Selbst meine Oberschenkel haben nicht mehr weh getan. Wie ausgetauscht. Harald ging es auch heute nicht so gut. Weiterhin Probleme mit dem Kreislauf und der Luft und dann ging es heute auch noch auf 2800 Meter hoch.
Wir waren heute relativ knapp am Start, so dass wir uns wieder hinten einreihen mussten, was nicht weiter schlimm war. So konnten wir die Etappe ruhig angehen lassen. Die ersten drei Kilometer waren flach bevor es in die 12 Kilometer lange Steigung hineinging. Immer mal wieder kleinere Passagen bergab, die zum Verschnaufen genutzt wurden. Mir ging es heute wirklich sehr gut. Harald hatte mit jeden Meter den es weiter hochging mehr mit der Luft zu kämpfen.  Obwohl es ihm nicht so gut ging, konnte Harald doch recht zügig hochstiefeln. Mittlerweile waren um uns herum nur noch Steine zu sehen und es wurde kalt, da ein eiskalter Wind wehte. Wir machten eine kurze Rast um uns unsere Windjacken über die herzfrequenz – Langarmshirts drüber zu sehen. Diese Gelegenheit nutze „der“ Koreaner der uns bereits die letzten Etappen aufgefallen ist. Er rennt immer mit seiner High-End Videokamera durch das Starterfeld. Da wir da gerade standen, durfte ich gleich mal ein Interview geben. Der Kerl ist echt der Wahnsinn… wenn der nicht soviel mit Filmen beschäftigt wäre, wäre der weit vorne mit dabei. Es ging weiter, „nur noch 800 Höhenmeter“ rufe ich Harald zu, der inzwischen wieder mit mir reden kann. Wir fangen wieder an ein bisschen rumzublödeln. So langsam mach ich mir Gedanken über den Anstieg und mir kommen die Worte vom Harald und seine Gesicht vor dem Start in den Sinn. Harald: „Ich habe Angst!“. Ich frage mich, wie wohl der Abstieg aussieht, wenn bei dem Aufstieg nur Steine zu sehen sind. Wir wurden bereits vorgewarnt und es wurde uns gesagt, dass es eine Passage geben wird, bei der Überholen verboten ist. Ich war gespannt.
Kurz vor dem Gipfel wurde noch ein span. Team angehalten, da Sie immer noch ohne Windschutz hochstapften. Wir laufen weiter. Es ist nicht mehr weit. DSCF0120Oben angekommen wartet auch schon die zweite Verpflegungsstation auf uns.  Für die letzten sieben Kilometer brauchen wir nicht mehr viel. Schnell ein Gel rein, mit Powerbar nachgespült und weitergehts. Dann kam auch schon der Klettersteig, also die gefährliche Stelle. Daniel: „Harald?“, Harald: „ Ja?“ Daniel: „Harald, das sind alles Stufen und keine Steine! Und die Steine die da sind, sind alles deine Freund!“. Ich versuchte Harald so gut wie möglich abzulenken, damit er nicht zuviel über das Absteigen nachdenkt. Ich glaube es ist mir ein Stück weit gelungen.  Harald zu dem Team hinter sich: „ Wollt‘ ihr vorbei?... Ach ne! Dürft ihr ja gar nicht, sonst werdet ihr disqualifiziert!“ mit einem kleinen Lächeln auf dem Lippen. So ging es Stein für Stein herunter. Wir mussten uns diesmal gar nicht verstecken. Uns haben vielleicht 7 oder 8 Teams überholt.  Als es hielt sich in Grenzen. Harald wieder noch zum Bergabläufer.
Daniel: „Harald?“ …. 21, 22…. Harald: „Ja?“, Daniel: „2 Sekunden“. Wir haben gestern vereinbart, die Zeit des Schalls zu zählen, damit ich weiß wie weit Harald hinter mir ist…. Das funktioniert voll gut…. schon klar. Ich feuer Harald immer wieder an. „Es ist nicht mehr weit“ ruf ich zu ihm rüber. Wir befinden uns bereits wieder auf einer asphaltierten Straße und man kann das Ziel schon riechen. Nach 5:10h erreichen wir das Ziel. Die Freude ist groß! Selbst Harald, der im Ziel wirklich noch nie gelacht hat, hat ein Lächeln im Gesicht. 24Km und 5 Stunden. Das hätte ich nicht gedacht, aber bei 2000 Höhenmetern eigentlich nicht weiter verwunderlich.
Heute musste sich Harald von den Sanis aushelfen lassen. Schmerzen an beiden Fußgelenken. Hoffen wir, dass es ihm so geht wir mir. Zwei Voltaren und alles ist wieder gut.
Morgen wird es nochmal richtig, richtig hart. 42,195 Km mit 2788 Höhenmetern. Es dürfte wohl wieder eine Etappe werden, bei der wir um die 8 oder 9 Stunden unterwegs sind. Das heißt für uns: Schnell essen gehen und dann ab in die Heia!

Daniel & Harald
 
 
 
 
 
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5. Etappe: Prettau – Sand in Taufers, 36,82 Kilometer, 1447 Höhenmeter

Die erstransalpineten fünf Kilometer der heutigen Etappe versprechen einen rasanten Beginn, denn es geht von über 1400 Meter hinunter auf 980 Meter Höhe.  Trotz unruhiger Nacht mit viel zu wenig Schlaf und einer relativ langen Anfahrt zum Start ist unsere Laune gut und die Beine fühlen sich trotz der Dauerbeanspruchung der letzten vier Tage verhältnismäßig gut an. Wir reihen uns wieder weit vorne in den Startblock ein. Outfittechnisch haben wir uns für das überzeugende herzfrequenz-Oberteil entschieden, heute für die Kurzarmvariante. Nach dem Motto: Einmal an- und nie wieder ausziehen. Endlich geht es los und Daniel gibt Gas, doch ich kann entgegen unserem Plan kaum folgen. Ich japse nach Luft, obwohl die Herzfrequenz ok ist und ich eigentlich schneller laufen könnte. Aber die Luft reicht nicht aus und ich finde mich damit ab. Als Daniel eine Pinkelpause einlegt, kann ich den kleinen Abstand wett machen. Trotzdem merke ich, dass die Beine heute auch keine Lust haben, zu funktionieren. Na, das kann ja heiter werden.  Nach fünf Kilometer folgt ein erster kleiner Anstieg. Die heutige Strecke führt uns im Prinzip immer das Tal entlang. Mal über Asphaltstraßen, Wanderwege sind auch dabei. Wir passieren Wiesen und kleinere Waldstücke, in denen es manchmal ganz schön rutschig zur Sache geht. Ich versuche den lockeren Laufstil von Daniel bergab nachzuahmen und schon rutsche ich weg und mache eine Bauchlandung. Den Stöcken der hinter mir folgenden Teilnehmer entgeht mein Körper zum Glück, ein englischsprachiges Team erkundigt sich nach meinem Zustand und dann geht es auch schon weiter, weil ja zum Glück nichts passiert ist. „Siehst Du, Daniel, jetzt habe ich mal versucht locker den Hügel hinunter zu laufen und schon rutsche ich aus. Ist aber nichts passiert, weil ich mich rechtzeitig abrollen konnte.“ „Naja, das hatte mit Abrollen weniger zu tun, sah eher nach Bauchlandung aus“ kommentiert Daniel meine Flugeinlage. Die Strecke schlängelt sich durch das idyllische Tal, die nächsten Kilometer sind größtenteils flach und trotzdem fällt mir das Laufen schwer.  So schwer, dass  wir sogar von den Hamburger Jungs überholt werden. Nach einer gemeinsamen Pinkelpause, in der sich Mark zu uns gesellt, obwohl die Stehklos am Waldesrand schon von uns besetzt sind, hat sich das Thema „Hamburg“ aber schnell erledigt und wir ziehen von Dannen, während Mark auf seinen Mitläufer wartet. Wir zeigen uns beide heute wortkarg. Ich bin mit „Luft schnappen“ beschäftigt und was in der Seele meines Teampartners vor sich geht weiß nur er selbst. Wahrscheinlich will er einfach so schnell als möglich ins Ziel. Erst am letzten kleineren Anstieg vor der Bergstation Speikboden geht es mir wieder besser und wir albern ein wenig herum. Kurz vor der zweiten Verpflegungsstelle gönnen wir uns eine kleine Sprinteinlage, der ich nur bedingt gewachsen bin. Jetzt geht es noch mal runter und dann folgt der Anstieg zur Bergstation. Wir traben weiter und plötzlich ist Daniel verschwunden, obwohl ich doch immer derjenige bin, der hinter ihm wegläuft. Als ich mich gute 100 Meter später umdrehe ist er immer noch nicht aufgetaucht, was mir wirklich Sorgen macht. Schließlich kommt er mit schmerzverzerrtem Gesicht hinter mir her gehumpelt. Das sieht mal gar nicht gut aus. Das Bergablaufen bereitet heftige Schmerzen, während es bergauf besser geht. Daniel beißt die Zähne zusammen und rennt weiter. Schließlich biegen wir auf einen Wandersteig ab. 1000 Höhenmeter liegen vor uns, die wir dann auch gleich wieder hinunter laufen dürfen. Der steile Wanderweg schlängelt sich durch den Wald, mehrfach kreuzen wir die Forststraße, der wir schließlich bis zur Bergstation folgen. Das letzte Stück zieht sich wie Kaugummi. Mittlerweile hat sich die Sonne am Himmel Platz verschafft und wir dösen so vor uns hin. Nach der letzten Verpflegung geht es wieder durch den Wald einen schmalen Weg hinunter. Obwohl Daniel mit seinen Schmerzen zu kämpfen hat, macht er richtig Tempo und ich folge ihm, so gut es geht. Immerhin so gut, dass wir bergab noch drei Teams überholen. Und das mit mir im Schlepptau. Auf dem letzten Kilometer rennen wir wie die gestörten und fangen kurz vor der Ziellinie noch zwei Teams ab. „Sorry, aber ich wollte so schnell als möglich ins Ziel“ entschuldigt sich Daniel. Ich fand es Klasse, am Ende noch einmal richtig Gas gegeben zu haben. Ein Tässchen Cola und Melone dazu und ich werde so langsam wieder Mensch und damit ansprechbar. Jetzt freue ich mich einfach nur noch auf mein Bett. Schlafen bis zur Pasta Party, die wir gestern auch geschwänzt haben. Die Pizza-Lust war größer. Aber heute gibt es kein Pardon, obwohl mir Schnitzel mit Pommes und ein frisch gezapftes Pils lieber wäre. Aber wir müssen ja morgen wieder laufen, insofern der Sani für Daniel freie Fahrt erteilt. Der sitzt gerade beim Doc. Wir dürfen also gespannt sein, wie es morgen weiter geht.

Harald und Daniel

 
 

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4. Etappe: Neukirchen – Prettau, 46,2 Kilometer, 2051 Höhenmeter

transalpin4Die zweitlängste Etappe startet morgens um sieben. Um kurz vor sechs klingelt der Wecker, noch schnell ein Brötchen vom Lunch-Paket reingewürgt und 1 Liter Wasser geschluckt. Heute sind wir früher dran. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wir checken früher ein, müssen uns nicht hinten in den Startblock anstellen und die Wanderfraktion überholen. Wie immer fällt der Startschuss pünktlich und die ersten 8 Kilometer gehen – fast schon standardmäßig – einen Radweg entlang. Auch standardmäßig macht Daniel Tempo und angesichts des erhöhten Schweißtransportes liegt die Frage nahe: Sind wir richtig angezogen?? „Daniel, ich glaube wir sind zu warm angezogen!“ „Glaube ich auch!“ Dreiviertel Hose und ein hammergeiles Langarmshirt von dem deutschen Textilhersteller herzfrequenz mit eingebauten Elektroden zur Herzfrequenz-Messung werden wir heute wohl nicht mehr los. Dann biegen wir ab auf einen wunderschönen Wanderweg, der uns bis hoch zu den Krimmler Wasserfällen führt, die auf gute 800 Meter liegen. Ein steiler Anstieg und unsere Laune ist gut. Erinnerungsphoto – so viel Zeit muss sein und dann geht es weiter. Wir liegen auch ganz gut und sind guten Mutes. „Daniel?“ „Ja?“ „Ich glaube wir sind genau richtig angezogen!“ „Glaube ich auch“, denn hier oben wabert noch ein wenig der frühmorgendliche Nebel herum und es ist kühl. Wir folgen weiterhin dem Wanderweg mit wunderbaren Ausblicken auf die Tauern, die sich vor uns präsentieren. Die Kühe auf den Almen fühlen sich in ihrer Morgenruhe von den vielen Läufern wohl auch ein wenig gestört, ertragen das Klackklack der Stöcke und das Keuchen und Rutschen auf dem Schotterweg aber mit stoischer Ruhe. Hauptsache Fressen! Der Wanderweg ist breit, mal geht es hoch – dann gehen wir zumeist und dann geht es wieder runter und wir rennen. Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch den Nebel, der sich auch schon bald komplett auflöst. „Harald?“ „Ja“? „Ich glaube, wir sind zu warm angezogen!“ „Glaube ich auch“. Daniel hat sich derweil ein das Polar Had-Tuch über Stirn und Nacken gezogen. Eigentlich sieht er eher aus wie ein Wüstenfuchs als eine Bergziege. Nach dem Bezwingen einer kleinen Erhebung trabe ich wieder los und Daniel ist hinter mir. Wie kann das sein, dass der Pacemaker nicht vorne läuft? Wo ist mein Windschatten? „Alles ok“ frage ich und schaue mich besorgt um. „Mir ist schlecht und ich habe keine Bock.“ Ok, Diskussion beendet. Erst als wir ungefähr die ersten 500 Meter Aufstieg zur Birnlücke auf 2669 Meter hinter uns haben, dringen Worte an mein Ohr. Jetzt kann ich nicht reden. Daniel filmt so vor sich hin, glaube ich, und ich keuche hinterher. Auf 3 Kilometer Strecke 1200 Höhenmeter ist kein Pappenspiel, sondern eigentlich die Herausforderung des Tages. Immer höher schlängelt sich der Pfad. Hinter uns drängeln sich die wahren „Bergziegen“, die uns dann auch überholen. Dann verlässt uns das Grün und im Nebel kämpfen wir uns über Geröll weiter dem Gipfel entgegen. „Daniel?“, keuche ich. „Ja?“ „Ich glaube wir sind genau richtig angezogen!“DSCF0120
„Jaaa!“ Plötzlich höre ich ein „Forstweg“ vor mir. Lars, der Fotograf will wohl endlich mal ein Foto, auf dem ich lächele und Gritt hat ihm das magische Wort gesagt. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich wie immer grimmig ausgesehen habe. Nachdem wir noch ein paar Steinchen überwunden haben, sind wir endlich am Gipfelkreuz angekommen. Leider ist es so nebelig, dass keine Aussicht existiert. Also geht’s schnell bergab, denn der Wind pfeift uns gehörig um die Ohren. Von „schnell“ kann bei mir keine Rede sein, also springt Daniel runter und ich holpere langsam herunter, sodass  uns mal wieder zig-Teams überholen. Endlich sind wir über Geröll und Steine wieder auf einem Wanderweg angekommen und geben richtig Gas. Daniel hat seine Schwächephase überwunden und fliegt der letzten Verpflegung entgegen. Ich hinterher und so geht bis ins Ziel weiter. Nach 6 Stunden und  45 Minuten sind wir im Ziel und freue uns gehörig darüber, dass wir genau richtig angezogen waren. Zuerst gibt es Cola ohne Ende und ein bischen was zum Essen. Dann schauen wir am Polar Stand nach dem Rechten und freuen uns, dass die Waffeln, die Siwi im Ziel anbietet sich großer Beliebtheit erfreuen und später gibt’s eine heiße Dusche. Morgen treiben wir in der Früh um sieben unser Unwesen und bis dahin möchten wir eigentlich nur noch schlafen. Leider müssen wir noch Essen, Rucksack packen, Klamotten auswaschen und diesen schönen Bericht schreiben.
 
 
 

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3. Etappe: Mittersill – Neukirchen, 27,66Km, 1500 Höhenmeter


Heute muss ich mal wieder den Bericht schreiben, weil  Daniel gerade schlecht geworden ist, als ich ihm erzählt habe, was ich gerade gegessen habe: Gedeckter Apfel-Streuselkuchen mit Maggi. Auf so einer Tour wird man zum Tier.
Mit Loch im Knie läuft es sich nicht so super, aber wenn der Startschuss fällt, dann vergisst man den Schmerz. Vor allem dann, wenn man von hinten startet und ungefähr 50 Stockträgerteams überholen muss, natürlich auch wieder die Hamburger Jungs! Und Daniel rennt und rennt. Entgegen der Wetterprognosen scheint die Sonne und angenehme Temperaturen bringen uns schon früh ziemlich zum Schwitzen.  Die ersten 9,5 Kilometer laufen wir Asphalt, immer einen Radweg entlang. Das GoreTex Team taucht neben uns auf. Ich: „Na Jürgen, geht’s gut?“ Er: „Ich hatte schon größere Lust zu laufen“! Kurz vor der ersten Verpflegung entdecken wir unseren Girlie-Transalpine-Fanclub. Tina, eine sehr gute Freundin und Gritt, meine Lebensgefährtin feiern uns und feuern uns an. Die ersten 10 Kilometer absolvieren wir in knapp einer Stunde, dann geht es bergan. Zunächst eine Asphaltstraße hoch und dann ein steiler und zum Teil rutschiger Steig, der mir jetzt schon alles abverlangt. Nach 2/3 der Strecke begegnet und Nico, einer der Rettungssanitäter, der mit seinem Mountain Bike vor dem Feld die steilsten Stücke meistert und für jeden Teilnehmer eine Aufmunterung parat hat. Endlich ist die Baumgrenze erreicht. Auf Daniels Frage nach der Wegbeschaffenheit mühe ich mir ein „Forstweg“ ab, zu mehr reicht die Luft nicht. Unser Running Gag kann mir heute kein Schmunzeln auf die Lippen zaubern. Auf dem Grat schlängelt sich der Weg dahin mit einer wunderschönen Aussicht auf schneebedeckte Berggipfel um uns herum. Die Beine fühlen sich an wie Gummi und wir sind immer noch nicht oben. 250 Höhenmeter fehlen uns noch bis zum heutigen Gipfelpunkt der Strecke, dem Wildkogel auf 2224 Meter. Zunehmend ist die Luft dünner geworden, so langsam geht mir auch die Kraft flöten. Ich sehne mich nach der Verpflegungsstelle. Über uns kreist der Hubschrauber, der hier die Teilnehmer filmt. Direkt neben uns fliegt er mit fünf Meter Abstand über dem Boden. Heftiger Windstöße der Rotoren, laute Motorengeräusche zerreißen die Einsamkeit auf dem Berg und erinnert uns, dass wir gar nicht so fern der Zivilisation sind. Obwohl es uns oftmals so vorkommt. Vom Wildkogel geht es erst einmal heftig steil über Geröll bergab, die Beine funktionieren zunächst nicht und verweigern nach dem zweistündigem Aufstieg den Abstieg. Doch irgendwann gehorcht der Körper wieder und schließlich ist es auch nicht weit bis zur nächsten Verpflegung. Jetzt noch 10 Kilometer bergab und wir sind im Ziel. Steile Stiege schlängeln sich durch den Wald, schnellere Teams überholen uns. Mein Tritt ist schwer und unsicher, das Knie schmerzt. Ein Schild kündigt die letzten 5 Kilometer an, das erste Kilometerschild auf der heutigen Etappe. Daniel macht vorne richtig Dampf und ich komme hinter her gehumpelt. Endlich ein Asphaltstück, auf dem ir nun doch noch zwei oder drei Teams überholen können. Dann wieder ein kleiner Anstieg: Ich: „Daniel?“  Daniel:„Ja?“ Ich: „Wasser?“ Daniel: „Ja!“ Ein kurzer Schluck aus Daniels Trinkrucksack rettet mich bis zum Ziel, das wir glücklich nach 4:30 Stunden erreichen. Heute sind wir ziemlich lädiert und morgen warten wieder über 40 Kilometer durch die schöne Bergwelt auf uns. Entgegen meiner Prophezeiung hat es bislang nicht in Österreich geregnet, bleibt also zu hoffen, dass auch Südtirol uns mit schönem Wetter empfängt. Jetzt warten wir noch auf einen Termin für eine Massage, dann vielleicht ein kleines Nickerchen und heute Abend verzichten wir auf die Pasta Party und essen im Hotel. Weniger Stress, mehr Ruhe, die uns abseits des Transalpine Run – Zirkus vielleicht gut tun wird.

Harald und Daniel
 
 

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2. Etappe St. Ulrich am Pillersee – Mittersill, 48,56 Km – 2794Hm

 
Das Wetter war . . . super!

Die Strecke war . . . verdammt hart!

Die Verpflegung war super!

Wir haben . . .  9:02h gebraucht.

Da wir beide so platt sind, können wir heute leider nichts mehr schreiben…. kleiner Scherz! Wir hatten es schon vermutet und Harald hatte schon richtig bammel vor der Etappe. Da ich hier in den Bergen „Neuling“ bin, konnte ich mir nicht wirklich DSCF0044vorstellen was auf mich zukommt. Gestern war ja bereits die längste Etappe die ich jemals gelaufen bin. Da kamen heute nochmal zehn Kilometer dazu.
Ab erst einmal zum Anfang der Etappe.  7 Uhr war heute der Start, weshalb wir bereits um kurz vor 6 aufstehen mussten. Nicht unsere Zeit. Die ersten 12 Km waren mehr oder weniger flach und wurden zum „warm“ und wach werden genutzt. Ich muss sagen, dass ich die ersten 12 Km mehr oder weniger gar nicht wahrgenommen habe. Dann ging es in den ersten anstieg. Harald hatte heute morgen noch ein bisschen mit sich zu kämpfen um richtig auf Touren zu kommen, doch der Tag war noch lang, sehr lang! Unterwegs trafen wir wieder „unseren“ Hamburger Jungen, der wieder ein wenig vor seinen Teampartner vorgelaufen war. Diesmal nicht ganz soweit wie gestern. Wie Harald schon gesagt hat, Teamgeist! Mittlerweile befanden wir uns schon mitten im Anstieg. An Laufen war nicht mehr zu denken. Ehrlich gesagt, war ich eher skeptisch, ob wir heute überhaupt noch einmal laufen werden können. Bei dem Höhenprofil, eher zu bezweifeln. So war es auch. Selten gab es Verbindungsstücke, die man mal bequem Laufen konnte. Selbst das Bergab konnte man nicht wirklich laufen, weil es einfach zu steil und holprig war.
Nach der zweiten Verpflegung (KM 29) fingen die Qualen erst richtig an. Irgendwie wollten die Kilometer nicht mehr rumgehen. Nach dem Anstieg zur Murnauer Scharte passiert auch noch ein Missgeschick. Als Harald über einen Stacheldrahtzaun steigen wollte, rammte er sich einen Stachel ins Knie. „Oh, oh“ dachte ich mir und fragte Harald ob ich ihm ein Pflaster rausgeben soll. Einzige Kommentar von ihm: „Lauf weiter“. OK.
Jetzt kam mein Tiefpunkt. Ich hatte nix mehr zu trinken und nur noch ein Powerbar, dass man bekanntlich ohne Flüssigkeit nicht herunterbekommt. Ich war total leer. Habe immer wieder nach der Verpflegung Ausschau gehalten. Sie kam und kam nicht. Harald musste mir mit seinem Wasser aushelfen. Kurz an einem Bergbach gehalten, weiter Wasser nachgetankt und gleich weiter. Die Verpflegung konnte nicht mehr weit sein. Dann endlich die DSCF0040Info, nur noch 1,5 Km zur Verpflegung, die mir unendlich lang vorkamen. Endlich angekommen hieß es nur noch trinken, trinken und essen. Alles was man so in 5min rein bekommt! Dann ging es auch schon wieder bergan, was auch sonst?

Der letzte Powerbar musste nun herhalten. Ich: „Harald willst Du auch ein bisschen vom Powerbar?“ Harald: „Ne, ich will nicht den Ganzen!“, Ich: „Äh, Harald, wenn ich Dir den ganzen geben WÜRDE, dann hätte ich ja nix mehr!!!! Aber nett, dass Du nicht den Ganzen willst!“. Tja, so kann es gehen, wenn man bereits acht Stunden am Laufen ist. Also ein kann ich sagen, unseren Spaß haben wir auf jeden Fall! Auch den letzten Anstieg konnten wir irgendwie bezwingen. Dann ging es 1300 Höhenmeter bergab. Das auf gerade mal ca. 8 Kilometern. Kurz gesagt, einfach quer runter! Ich muss ja sagen, das Runterlaufen tut am meisten weh!
 
 
Nach dem Harald gestern noch behauptete, dass er nicht bergab laufen kann, ging es heute richtig rund. Als hätte er sich die Kraft für genau diesen Abschnitt aufgehoben. So konnten wir auf den letzten 8 Kilometern noch ca. 10 Teams überholen und konnten mit einer Zeit von 9:02h ins Ziel einlaufen. Überglücklich! Ich hätte nicht gedacht, dass es so verdammt hart wird heute. Wir haben sehr gelitten,  doch es hat sich mehr als gelohnt. Wir sind in unsere Altersklasse von Platz 39 auf 35 und Gesamt von 107 auf Platz 99! Vorgerutscht! Wir sind stolz wie Oscar :-)

Morgen stehen gerade mal 27 Kilometer mit 1500 Höhenmetern auf dem Programm…. Also ein Kinderspiel! Naja, wird zeigen wie wir die Etappe heute wegstecken werden.  Morgen wissen wir mehr.

Daniel & Harald
 
 
 
2 etappe tar 
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PS GoogleEearth Ansicht wird noch optimiert ;-)

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1. Etappe Ruhpoling – St. Ulrich am Pillersee, 37,5 Km, 1223 Höhen

 
Die erste Etappe war zwar zum Einlaufen gedacht, davon kann allerdings im Nachhinein keine Rede gewesen sein. Doch der Reihe nach.  Eine halbe Stunde vor dem Start finden wir uns auf dem Expo-Gelände ein. Es ist schon ein lustiges Läufervölkchen aus aller Herren Länder hier anzutreffen. Belgier, Niederländer, Japaner und Koreaner, Australier, Rumänen und Neuseeländer tummeln sich auf dem Expo Gelände. Bei der gestrigen Pasta-Party wurden das am weitesten gereiste Teams geehrt. Die beiden Venezuelaner leihen sich  gerade noch am Polar-Stand eine S625X aus. Ein Höhenmesser sollte man auf jeden Fall dabei haben, ist schon für die eigene Orientierung sinnvoll. Pünktlich um 11:00 fällt mit dem „Highway to Hell“-Song endlich der Startschuss. Auf den ersten 12 Kilometern auf dem relativ breiten Wanderweg herrscht Hochbetrieb. Schwächere Teams haben sich zu weit vorne platziert, gut für unsere Psyche, DSCF0029da wir das Feld ein wenig von hinten aufrollen können. Nach dem Einlaufen  folgt der erste kleine Steig bis zur Winkelmoosalm. Die erste Verpflegung wartet kurz vor der Alm. Bis jetzt läuft alles  gut. Auch die ersten Steigungen bewältigen wir problemlos.
Auf einer weiteren Forststraße begegnen wir Mark, der seinen Teampartner hinter sich gelassen hat. „Nee wir haben uns nicht über die Teampartnerbörse kennen gelernt. Wir kennen uns schon länger, weil wir Arbeitskollegen sind und beide laufen. Aber er hat wohl einen anderen Anspruch und möchte eher die Landschaft genießen und ich auf Platzierung laufen.“ Dann lässt er sich wieder zurückfallen. Der Transalpine Run ist ein Gemeinschaftserlebnis, zumindest sollte er das sein. Den Aufstieg bis zum höchsten Punkt der Strecke meistern wir problemlos. Die nächste Verpflegungsstelle ist auch schon in Sicht und dann geht es bergab. Ein schmaler, steiler und steiniger Pfad führt uns von 1500 Meter auf rund 800. Die Berglaufspezialisten hetzen an uns mit gezielten Schritten an uns vorbei. Das erste Opfer liegt DSCF0032schon auf der kreuzenden Forststraße. Kreislaufkollaps, der Doc kommt uns mit dem Motorrad schon entge  gen. Daniel könnte sicherlich schneller laufen, aber bergab bin ich eine Gurke. Zuviel Angst vor Stolpern und Verletzungen. Endlich erreichen wir wieder normale Wege, die sich dem Pillersee entlangschlängeln. Seit der letzten Verpflegung habe ich ständig eine Herzfrequenz zwischen 170 und 180 und wieder bin ich in praller Sonne der limitierende Faktor. Aber Daniel macht mir Mut und endlich ist das Ziel in Sicht. „Ihr seid 107ter“ ruft uns ein Kind entgegen. Keine Ahnung, wie wir abgeschnitten haben. Hauptsache das Ziel ist nach 4:42 Stunden erreicht. Verpflegung, Hotel, Duschen und ab zur PastaParty, um schnell ins Bett zu kommen.
 
  
Morgen steht die härteste Etappe der achttägigen Tour auf dem Programm. Deswegen schon jetzt ein Textentwurf, den wir morgen einfach ergänzen:

Das Wetter war . . .
Die Strecke war . . .
Die Verpflegung war
Wir haben . . . gebraucht.
Just keep on Running und bis morgen!
Harald und Daniel

 
 
 
 
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Polar-Team startet beim Transalpine Run

 
Der ultimativen Trail-Running Herausforderung stellen sich Harald Bajohr und Daniel Conka. Bajohr, Pressesprecher bei Polar und passionierter Langstreckenläufer, weiß ungefähr, was ihn erwarten wird. Als Finisher beim TR 2006 und 2007 meisterte er bereits die Streckenvariante von Oberstdorf nach Latsch. Beim diesjährigen Transalpine Run sind 300 Kilometer und 15.000 Höhenmeter auf dem Weg von Ruhpolding nach Sexten zu überwinden. Inwiefern er Teampartner Daniel Conka, neben dem Studium der Sportinformatik bei Polar an der Hotline für die kniffligen Fragen zuständig, an die Hand nehmen muss, bleibt angesichts der neuen, erweiterten Strecke abzuwarten. Im Kampf um das Leader Trikot werden die für das herzfrequenz-Polar-Team startenden Arbeitskollegen und Freunde nicht eingreifen. „Ankommen“ steht auf dem Arbeitsplan. Auch auf dem Arbeitsplan steht der Einsatz des Polar Multifunktionscomputer RS800CX, den die beiden Alpenbezwinger vor Markteinführung unter den zu erwartenden extremen Bedingungen auf Herz und Nieren testen werden. Ob Daniel Conka und Harald Bajohr das Ziel in Sexten erreichen werden, was bei einem Etappenlauf von Deutschland nach Italien so alles passieren kann und ob den soq-blog-Redakteuren schon vorher die Luft ausgeht, lesen Sie in den täglichen Berichten im blog unter www.soq.de oder in den News au f www.polar-deutschland.de
 

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