Harald und Daniel
Harald und Daniel
Wie Harald gestern bereits beschrieben hatte, war gestern
kein guter Tag für mich. Die Sanis haben mir ein Voltaren-Verband verpaßt und
mir noch zwei weitere Voltaren Tabletten
mitgegeben. Eigentlich bin ich kein Fan von sowas, aber der Sani hatte mir dazu
geraten.
Heute morgen dann gleich die Frage von Harald: „Und? Geht’s?“ Daniel: "Bestens!" Ich fühlte mich
wie ausgetauscht. Selbst meine Oberschenkel haben nicht mehr weh getan. Wie
ausgetauscht. Harald ging es auch heute nicht so gut. Weiterhin Probleme mit
dem Kreislauf und der Luft und dann ging es heute auch noch auf 2800 Meter
hoch.
Wir waren heute relativ knapp am Start, so dass wir uns wieder hinten einreihen
mussten, was nicht weiter schlimm war. So konnten wir die Etappe ruhig angehen
lassen. Die ersten drei Kilometer waren flach bevor es in die 12 Kilometer
lange Steigung hineinging. Immer mal wieder kleinere Passagen bergab, die zum Verschnaufen
genutzt wurden. Mir ging es heute wirklich sehr gut. Harald hatte mit jeden Meter
den es weiter hochging mehr mit der Luft zu kämpfen. Obwohl es ihm nicht so gut ging, konnte Harald
doch recht zügig hochstiefeln. Mittlerweile waren um uns herum nur noch Steine
zu sehen und es wurde kalt, da ein eiskalter Wind wehte. Wir machten eine kurze
Rast um uns unsere Windjacken über die herzfrequenz – Langarmshirts drüber zu
sehen. Diese Gelegenheit nutze „der“ Koreaner der uns bereits die letzten
Etappen aufgefallen ist. Er rennt immer mit seiner High-End Videokamera durch
das Starterfeld. Da wir da gerade standen, durfte ich gleich mal ein Interview
geben. Der Kerl ist echt der Wahnsinn… wenn der nicht soviel mit Filmen
beschäftigt wäre, wäre der weit vorne mit dabei. Es ging weiter, „nur noch 800
Höhenmeter“ rufe ich Harald zu, der inzwischen wieder mit mir reden kann. Wir
fangen wieder an ein bisschen rumzublödeln. So langsam mach ich mir Gedanken
über den Anstieg und mir kommen die Worte vom Harald und seine Gesicht vor dem
Start in den Sinn. Harald: „Ich habe Angst!“. Ich frage mich, wie wohl der
Abstieg aussieht, wenn bei dem Aufstieg nur Steine zu sehen sind. Wir wurden
bereits vorgewarnt und es wurde uns gesagt, dass es eine Passage geben wird,
bei der Überholen verboten ist. Ich war gespannt.
Kurz vor dem Gipfel wurde noch ein span. Team angehalten, da Sie immer noch ohne
Windschutz hochstapften. Wir laufen weiter. Es ist nicht mehr weit.
Oben
angekommen wartet auch schon die zweite Verpflegungsstation auf uns. Für die letzten sieben Kilometer brauchen wir
nicht mehr viel. Schnell ein Gel rein, mit Powerbar nachgespült und
weitergehts. Dann kam auch schon der Klettersteig, also die gefährliche Stelle.
Daniel: „Harald?“, Harald: „ Ja?“ Daniel: „Harald, das sind alles Stufen und
keine Steine! Und die Steine die da sind, sind alles deine Freund!“. Ich
versuchte Harald so gut wie möglich abzulenken, damit er nicht zuviel über das
Absteigen nachdenkt. Ich glaube es ist mir ein Stück weit gelungen. Harald zu dem Team hinter sich: „ Wollt‘ ihr
vorbei?... Ach ne! Dürft ihr ja gar nicht, sonst werdet ihr disqualifiziert!“
mit einem kleinen Lächeln auf dem Lippen. So ging es Stein für Stein herunter.
Wir mussten uns diesmal gar nicht verstecken. Uns haben vielleicht 7 oder 8
Teams überholt. Als es hielt sich in
Grenzen. Harald wieder noch zum Bergabläufer.
Daniel: „Harald?“ …. 21, 22…. Harald: „Ja?“, Daniel: „2 Sekunden“. Wir haben
gestern vereinbart, die Zeit des Schalls zu zählen, damit ich weiß wie weit
Harald hinter mir ist…. Das funktioniert voll gut…. schon klar. Ich feuer
Harald immer wieder an. „Es ist nicht mehr weit“ ruf ich zu ihm rüber. Wir
befinden uns bereits wieder auf einer asphaltierten Straße und man kann das
Ziel schon riechen. Nach 5:10h erreichen wir das Ziel. Die Freude ist groß!
Selbst Harald, der im Ziel wirklich noch nie gelacht hat, hat ein Lächeln im
Gesicht. 24Km und 5 Stunden. Das hätte ich nicht gedacht, aber bei 2000
Höhenmetern eigentlich nicht weiter verwunderlich.
Heute musste sich Harald von den Sanis aushelfen lassen. Schmerzen an beiden Fußgelenken.
Hoffen wir, dass es ihm so geht wir mir. Zwei Voltaren und alles ist wieder
gut.
Morgen wird es nochmal richtig, richtig hart. 42,195 Km mit 2788 Höhenmetern. Es
dürfte wohl wieder eine Etappe werden, bei der wir um die 8 oder 9 Stunden
unterwegs sind. Das heißt für uns: Schnell essen gehen und dann ab in die
Heia!
Harald und Daniel
Die Strecke war . . . verdammt hart!
Die Verpflegung war super!
Wir haben . . . 9:02h gebraucht.
Da wir beide so platt sind, können wir heute leider nichts mehr schreiben…. kleiner Scherz! Wir hatten es schon vermutet und Harald hatte schon richtig bammel vor der Etappe. Da ich hier in den Bergen „Neuling“ bin, konnte ich mir nicht wirklich
vorstellen was auf mich zukommt. Gestern war ja bereits die längste Etappe die ich jemals gelaufen bin. Da kamen heute nochmal zehn Kilometer dazu.
Ab erst einmal zum Anfang der Etappe. 7 Uhr war heute der Start, weshalb wir bereits um kurz vor 6 aufstehen mussten. Nicht unsere Zeit. Die ersten 12 Km waren mehr oder weniger flach und wurden zum „warm“ und wach werden genutzt. Ich muss sagen, dass ich die ersten 12 Km mehr oder weniger gar nicht wahrgenommen habe. Dann ging es in den ersten anstieg. Harald hatte heute morgen noch ein bisschen mit sich zu kämpfen um richtig auf Touren zu kommen, doch der Tag war noch lang, sehr lang! Unterwegs trafen wir wieder „unseren“ Hamburger Jungen, der wieder ein wenig vor seinen Teampartner vorgelaufen war. Diesmal nicht ganz soweit wie gestern. Wie Harald schon gesagt hat, Teamgeist! Mittlerweile befanden wir uns schon mitten im Anstieg. An Laufen war nicht mehr zu denken. Ehrlich gesagt, war ich eher skeptisch, ob wir heute überhaupt noch einmal laufen werden können. Bei dem Höhenprofil, eher zu bezweifeln. So war es auch. Selten gab es Verbindungsstücke, die man mal bequem Laufen konnte. Selbst das Bergab konnte man nicht wirklich laufen, weil es einfach zu steil und holprig war.
Nach der zweiten Verpflegung (KM 29) fingen die Qualen erst richtig an. Irgendwie wollten die Kilometer nicht mehr rumgehen. Nach dem Anstieg zur Murnauer Scharte passiert auch noch ein Missgeschick. Als Harald über einen Stacheldrahtzaun steigen wollte, rammte er sich einen Stachel ins Knie. „Oh, oh“ dachte ich mir und fragte Harald ob ich ihm ein Pflaster rausgeben soll. Einzige Kommentar von ihm: „Lauf weiter“. OK.
Jetzt kam mein Tiefpunkt. Ich hatte nix mehr zu trinken und nur noch ein Powerbar, dass man bekanntlich ohne Flüssigkeit nicht herunterbekommt. Ich war total leer. Habe immer wieder nach der Verpflegung Ausschau gehalten. Sie kam und kam nicht. Harald musste mir mit seinem Wasser aushelfen. Kurz an einem Bergbach gehalten, weiter Wasser nachgetankt und gleich weiter. Die Verpflegung konnte nicht mehr weit sein. Dann endlich die
Info, nur noch 1,5 Km zur Verpflegung, die mir unendlich lang vorkamen. Endlich angekommen hieß es nur noch trinken, trinken und essen. Alles was man so in 5min rein bekommt! Dann ging es auch schon wieder bergan, was auch sonst?
Morgen stehen gerade mal 27 Kilometer mit 1500 Höhenmetern auf dem Programm…. Also ein Kinderspiel! Naja, wird zeigen wie wir die Etappe heute wegstecken werden. Morgen wissen wir mehr.
Das Wetter war . . .
Die Strecke war . . .
Die Verpflegung war
Wir haben . . . gebraucht.
Just keep on Running und bis morgen!
Harald und Daniel

